Dirty Harry V: Das Todesspiel (USA 1988)

dirty-harry-5Auch bei „Dirty Harry“ ist der Lack nach bald 30 Jahren Dienstzeit ab. 1988 produzierte Warner mit „Das Todesspiel“ Teil fünf der brutalen Krimi-Reihe, dessen wegweisendem Original von 1971 mit „Der Unerbittliche“ bis dato lediglich eine enttäuschende Fortsetzung gefolgt war. Die jedoch wurde von Buddy van Horns finalem Aufguss mit erschreckender Leichtigkeit unterboten. Van Horn, der mit Hauptdarsteller Clint Eastwood ein Jahr später auch die schwache Komödie „Pink Cadillac“ drehte, kann dem Stoff weder Spannung noch packende Action entlocken.

Ausgangspunkt ist das titelgebende Todesspiel, initiiert vom Horrorfilm-Regisseur Peter Swan (Liam Neeson, „Rob Roy“). Auf einer Liste vermerken die Teilnehmer acht Namen prominenter Zeitgenossen, die binnen eines Jahres das zeitliche segnen. Als Swans Tipps durch gewaltsamen Einfluss zuzutreffen beginnen, befällt Inspektor Harry Callahan (Eastwood) leichtes Unbehagen. Denn auch er zählt zu den Todgeweihten. Weil der Plot aber recht dürftig gestaltet ist, muss er sich fortwährend mit den Schergen eines von ihm überführten Mafiapaten herumschlagen.

Überhaupt bürgt das Todesspiel kaum für gesteigertes Nervenflattern. Die einzige gelungene Idee ist die des mit Sprengstoff beladenen ferngesteuerten Spielzeugautos, dass Callahan nach allen Regeln filmischer Verfolgungsjagden durch San Francisco hetzt. Für solide Stimmung sorgt daneben nur die Magnum, die hier und da ein paar Mafiaschergen Blei ins Hirn spuckt und dem alternden Eastwood nachhaltige Vorteile im Nahkampf verschafft. Zum Finale am Nebel umwaberten Filmset wird das Kaliber noch einmal erhöht. Ein kurzer Aha-Effekt, der ebenso schnell verpufft wie der Film selbst.

Kurios sind nur die Besetzungen der Nebenrollen. Liam Neeson chargiert sich mit Pferdeschwanz und gelangweilter Mine schnell ins Abseits. Der von ihm gespielte Regisseur ist ein Schmuddelkasper erster Güte, doch echauffiert er sich ständig als Maestro des Horrors, was dem Bild der Medien durchaus zu entsprechen scheint. Auch Patricia Clarkson („Das Versprechen“) als Sensationsreporterin mit einem Restbestand an Gewissen dient nur für Füllszenen und einer angedeuteten Romanze mit Callahan.

Den Vogel aber schießt fürwahr der frühe Jim Carrey als drogenvernebelter Schock-Rocker ab. Während eines Videodrehs, bei dem er im Wohnwagenabbild vom Exorzisten-Interieur Guns ´n Roses‘ „Welcome to the Jungle“ imitiert, nimmt er mimisch schon mal „Ace Ventura“ vorweg, bevor ihn der Killer mit fieser Pille ewiglich schlafend legt. Um mögliche Verdächtige schert sich der Plot nicht, so dass am Ende nur ein gesichtsloses Gespenst mit eilig zusammengeschustertem Rachemotiv übrig bleibt. Eastwoods Präsenz allein zieht den Film auf Mittelmaß. Dennoch bleibt ein etwas unrühmlicher Ausstand.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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