Direct Action (USA/CDN 2004)

direct-actionEiner von den Großen war er nie, unser lieber Dolph. Vielmehr einer von vielen, wenn auch kein schlechter. Zwar konnte einem manchmal von seinen Werken schlecht werden, doch letztlich muss man ehrlicherweise auch einfach sagen, dass der alte Schwede mehr anständige Filme in seiner Biografie stehen hat als manch anderer Prügelprinz seiner Gewichts- und Gehaltsklasse. Für die A-Liga reichte es aber dennoch nie, unabhängig davon, ob auch heute noch gern mal seine kurzfristige Liaison mit Grace Jones ausgemottet wird oder sein unüblich hoher IQ (liegt angeblich bei 160). In den letzten Jahren wurde es fast ein wenig zu still um den tumb agierenden Holzklotz und er verschwand klammheimlich in den Niederungen des B-Films  – wie Dudikoff, Seagal und Co. Gehaltstechnisch dürfte er mit einem seiner letzten Filme, dem mehr als günstig dreinschauenden Reißer „Direct Action” auf Hollywood-Hartz-IV-Niveau gelandet sein. Denn selbst im Gegensatz zu Heulern wie „Ritter der Apokalypse“ sieht dieser noch recht billig aus.

Der Polizist Frank Gannon (Lundgren) ist Mitglied einer Einheit für besondere Fälle, die den aufrechten Kämpfer für das Gute täglich mit Prostitution und Drogen in Verbindung bringen. Doch nicht jeder Kollege der Einheit nimmt seinen Job so ernst wie Frank und stattdessen kollaborieren diese immer häufiger mit der anderen Seite des Gesetzes. Zwar versuchen seine korrupten Kollegen auch Frank auf ihre Seite zu ziehen, doch dieser geht lieber den schwierigeren Weg und will gegen seine Kollegen aussagen. Just an diesem Tag bekommt Frank die Polizeiauszubildende Billie Ross (Polly Shannon) zur Seite gestellt, die von Frank einiges im direkten Einsatz erfahren soll. So befindet sich nicht nur Frank in Gefahr vor seinen Kollegen, die den Schwätzer natürlich unschädlich machen wollen, sondern auch Billie.

Lundgrens Karriere kann ein wenig mit der seines europäischen Handkantenkollegen Van Damme verglichen werden. Beide sind zwischenzeitlich ganz unten in der Klopperliga angekommen. Die guten alten Zeiten scheinen vorbei, doch während Van Damme mit „Wake of Death” ein überzeugendes „Comeback” feierte, kann dies Lundgren noch nicht attestiert werden. Auch „Direct Action” stellt sicherlich nicht so etwas wie die Wende dar, doch kann dem Film trotz allzu offensichtlichem Budget-Mangel dennoch ein gewisser Unterhaltungswert nicht abgestritten werden. Gerade der Look des Films wirkt äußerst billig und schweift schon mehr in Richtung C-Ebene. Dies wird an jeder Ecke der hier gezeigten Kleinstadt deutlich, doch weiß Regie-Veteran Sydney J. Furie („Der stählerne Adler II + IV“) das knapp bemessene Budget noch ordentlich einzusetzen und so sind wenigstens die Actionszenen verhältnismäßig anständig geraten.

Zu Beginn schleppt sich der Film ein wenig, nach etwa 20 Minuten wird aber Kurs aufgenommen und Lundgren darf munter durch die Gegend schießen und bekommt sogar mehrfach die Gelegenheit, mal wieder sein Martial-Arts-Können unter Beweis zu stellen. Dies geht handwerklich vollkommen okay, spektakuläre Kämpfe dürfen wohl nicht erwartet werden. Doch dafür geht Lundgren teilweise recht ruppig mit seinen Kontrahenten um. Storytechnisch hat „Direct Action” nicht viel zu bieten und diese dient wohl auch nur als Alibi für die eben noch zufriedenstellenden Actionszenen. Die hier gezeigte Kleinstadt besticht durch Geisterstadt-Idylle, warum plötzlich das FBI auftaucht ist ebenso schleierhaft wie das manchmal recht einfältige Auftreten der Akteure. Weniger Inhalt konnte man um den deutlich gealterten Lundgren wohl nicht stricken, an dem der Zahn der Zeit auch nicht Halt macht und dessen Furchen im Gesicht auch immer tiefer werden.

Schauspielerisch schleicht er wie gewohnt anspruchslos durch die Gegend, häufig darf man sich getrost fragen, ob ihm seine Arbeit überhaupt Spaß macht oder ob dies lediglich als Geldbeschaffungsmaßnahme dient. So richtig schlecht ist „Direct Action“ wider Erwarten nicht geworden, wenn jedoch auch nur die härtesten Dolph Lundgren-Fans in diesem Billig-Actioner noch eine Offenbarung sehen werden.

Wertung: (4 / 10)

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