Die Wilden Kerle 4 (D 2007)

die-wilden-kerle-4Die Wilden Kerle sind zurück. Und diesmal – wie eigentlich immer – müssen sie sich ihrer größten Herausforderung stellen. Nach dem Sieg gegen die Biestigen Biester steht den teilpubertierenden Superkickern nur noch ein Gegner bis zum Gewinn des Freestyle-Soccer-Pokals im Wege: die Wölfe von Ragnarök. In drei aufeinanderfolgenden Jahren blieben diese ohne Niederlage. Um das zu ändern, machen sich die Wilden Kerle in fremdes Territorium auf. Tief in den Wäldern, am Ende der Welt, liegt das Fort der Wölfe. Doch hegen diese ein dunkles Geheimnis, das weit über das Fußballfinale hinaus das Schicksal beider Mannschaften entscheiden könnte.

Die Optik einschlägiger Endzeitfilme hat Regisseur Joachim Masannek, der auch die bislang 13 veröffentlichten Buchvorlagen schrieb, in „Die Wilden Kerle 4 – Der Angriff der Silberlichten“ mehr verinnerlicht denn je. Der zeitweilig durchschimmernde „Mad Max“-Look findet seine Vollendung, wenn die Kerle wilder als zuvor auf Motorrädern und in schwarzer Montur durch Wald und Flur brausen. Ihre Gegner, die Wölfe von Ragnarök, sind das archaische Gegenteil. Sie tragen Pfeil und Bogen, sind in Felle gekleidet und dem Leben in der Natur auch dem Äußeren nach verbunden.

Der Unterschied zu den Vorgängern besteht darin, dass sich die sportlichen Gegner diesmal Respekt zollen. So weist Wolfsrudelführer Erik (David Bode, „Der Schatz der weißen Falken“) sein wildes Pendant Leon (Jimi Blue Ochsenknecht, „Auf den Spuren der Vergangenheit“) auf die Nebelfront vor Ragnarök hin. Hinter ihr soll eine Welt liegen, die der Unbeschwertheit ein Ende setzt. Botin dieser unheimlichen Fremde ist Horizon (Anne Mühlmeier), Anführerin der sagenumwobenen Silberlichten. Sie wohnt dem Finale im Fort bei und verdreht Leon und dessen Bruder Marlon (Wilson Gonzalez Ochsenknecht, „Erleuchtung garantiert“) den Kopf. Die Folge ist ein Geschwisterzwist, der das Team vor eine Zerreißprobe stellt.

Das erste Drittel legt ein Tempo vor, das die voranstehenden Filmabenteuer der Wilden Kerle Staub schmecken lässt. Bis zum Finale des Freestyle-Soccer-Cups bleibt kaum Zeit zum Luftholen. Dann aber geht der Geschichte ein wenig die Puste aus. Leon und Marlon folgen Horizon in den Nebel und verstricken sich in die von den Silberlichten gesäten Streitigkeiten. Leons Teamkameradin und Freundin Vanessa (Sarah Kim Gries, „Nie mehr zweite Liga“) bleibt zurück. Das Ende der Wilden Kerle scheint besiegelt. Doch so leicht lässt sich die beste Fußballmannschaft der Welt nicht aus der Bahn werfen. Zumal die vermeintlich unbesiegbaren Silberlichten den Niedergang der Truppe in einem Spiel ohne Regeln endgültig besiegeln will.

Die Schauspieler werden erwachsen. Ihre Rollen mit ihnen. Entsprechend ernst gibt sich der Film über gewisse Teilstrecken. Dennoch kommt der Humor nicht zu kurz. Dafür bürgt allein der Erfindungsreichtum von Raban (Raban Bieling, „Himmlische Helden“) und Joschka (Kevin Iannotta, „Ein Millionär für Mama“), dem neben Pizza im Bonbonformat und Hähnchenflügeln aus der Weingummitüte keine Grenzen gesetzt scheinen. Dennoch bleibt der Subtext des Plots weitgehend ungenutzt. Der Nebel und die Welt dahinter, der leicht hätte Sinnbild des Erwachsenwerdens sein können, bleibt nur ein Stolperstein in der Historie der Wilden Kerle. Das ist schade, denn das sichtlich gestiegene Budget und die spektakulären Ballspiele – am Ende im Sattel von Motorrädern vollzogen – hätten einen erzählerisch dichteren Hintergrund gut vertragen.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Der lange Tag der Rache (I/E 1966)

    Giuliano Gemma („Der Mann aus Virginia“) ist ein großer des italienischen Kinos. Auch des Spaghetti-Westerns, wo er den harten Kerlen stets einen Funken Verschmitztheit verlieh. Nur selten war er der zerrissene, der ohne jede Reue auf Rache sinnende Revolvermann. Ein Held nach amerikanischem Vorbild also, rechtschaffend, sympathisch und gut? Nicht direkt, er verstand sich einfach…

  • Der Wolf hetzt die Meute (USA 1984)

    Mit dem atmosphärischen Psycho-Thriller „Der Wolf hetzt die Meute“ zeigte sich „Dirty Harry“ Clint Eastwood wiederum von einer ganz anderen Seite. Als von Selbstzweifeln und erotischen Obsessionen geplagter Polizist Wes Block bekommt er es in New Orleans mit einem Mörder im Rotlicht-Milieu zu tun, der ihm und seinen Neigungen nicht ganz fern scheint. Leicht macht…

  • Kampf der Titanen (USA 2010)

    Die Wiederentdeckung der 3D-Technik beschert dem Kino endlich den ersehnten Erlebnismehrwert. Der Besuch des Filmtheaters ist wieder Spektakel und kann Download und Raubkopie eine Nähe zum szenischen Geschehen entgegensetzen, die selbst inhaltlich arg flache Blockbuster in ihrer optischen Wirkung erheblich aufwertet. „Avatar“ und „Alice im Wunderland“ stellten die kommerzielle Zugkraft des lange abgeschriebenen Formats unter…

  • Diamond 13 (F/BE/LUX 2009)

    Auch in Frankreich sind die Kerle hart. Man denke nur an Alain Deloin („Der Panther“), Jean Reno („Die Purpurnen Flüsse“) oder Jean-Paul Belmondo („Der Profi“). Kartoffelnase Gerard Depardieu („1492“) hat sich ebenso schon als tougher Gesetzeshüter erwiesen, vor wenigen Jahren erst im Cop-Thriller „36 – Tödliche Rivalen“. Ganz so durchdacht und spannend wie dieser mag…

  • Keoma – Melodie des Sterbens (I 1976)

    „Es ist leicht, einen zu töten der schon tot ist.“ – Keoma Ein Film spaltet das Publikum. Die einen sehen in „Keoma – Melodie des Sterbens“ das brillante Spätwerk des Spaghetti-Westerns, die anderen die überschätzte, an überfrachteter Symbolik krankende Sozialparabel. Manche dieser Zwiespalte machen ihn groß. Andere wiederum reduzieren seine Klasse. Die Musik zum Beispiel,…

  • The Expendables (USA 2010)

    Sylvester Stallone, Gott sei seinem chirurgisch verunstalteten Gesicht gnädig, wird auf seine alten Tage kein herausragender Actionregisseur mehr. Dabei hätte sein Söldner-Kracher „The Expendales“ so viel mehr hergegebenen als es der in die Jahre gekommene Star zu liefern vermag. Den Hut ziehen muss der geneigte Genrefreund vor der Riege großer und kleiner B-Sternchen, die Stallone…