Die Wilden Kerle 3 (D 2006)

die-wilden-kerle-3Die weltbeste Fußballmannschaft muss im WM-Jahr ihre größte Krise meistern. Auch wenn der Verdacht nahe liegt, die Rede ist nicht von den deutschen Nationalkickern, sondern von den Wilden Kerlen. Joachim Masannek, Autor der Bücher und Regisseur der beiden Vorgängerfilme, öffnet mit „Die Wilden Kerle 3 – Die Attacke der Biestigen Biester!“ ein weiteres Leinwandkapitel der jungen Wilden und lässt sie in einen erbitterten Kleinkrieg mit einer Mädchenmannschaft ziehen. Mit unschuldigen Bolzplatzfantasien hat das nur noch wenig gemein. Die Geschichte wird mit ihren Protagonisten erwachsen, da müssen auch mal finstere Schlachtszenarien erlaubt sein.

Nach der vernichtenden Niederlage gegen die Nationalmannschaft im eigenen Stadion sind die Wilden Kerle in alle Winde zerstreut. Leon (Jimi Blue Ochsenknecht, „Erleuchtung garantiert“) hat im Angesicht des Debakels gar die Flucht ergriffen und sich so den Groll der Mannschaftskameraden, allen voran den seines Schwarms Vanessa (Sarah Kim Gries) zugezogen. Als Leons ehemals bester Freund Fabi (Constantin Gastmann, „Sams in Gefahr“) die Wilden Kerle zu einem Duell gegen seine Biestigen Biester herausfordert, glaubt einzig der kleine Nerv (Nick Romeo Reimann) an die Fähigkeiten seiner großen Idole.

Keine Frage, Nerv gelingt es die Mannschaft wieder zusammenzutrommeln. Doch ist da noch der 180 Kilometer lange Weg zur Natternhöhle, dem Quartier der Biestigen Biester zu bewältigen. Diesen gestaltet Joachim Masannek nach der Dramaturgie epischer Fantasy-Abenteuer. Der Weg führt durch dunkle Wälder, in geheime Verstecke und über durchtriebene Verfolger. Letztere sind Uwe Ochsenknecht („Elementarteilchen“), Vater von Maxi (Marlon Wessel), und Nervs Mutter, gespielt von Claudia Michelsen („Napola – Elite für den Führer“). Zusammen mit vier hünenhaften Schergen lauern die Eltern im Hinterhalt, bereit ihre Sprösslinge vor Erreichen des Ziels aufzuhalten.

„Die Wilden Kerle 3 – Die Attacke der Biestigen Biester!“ bleibt hinter den Vorgängern zurück. Mit dem jüngsten Streich verliert die Geschichte ihre Unschuld. Der Grundton ist geprägt von verbissenen Gefühlsausbrüchen, wird angetrieben durch einen emotionalen Cocktail aus Wut, Rache und Hass. Für die ganz kleinen Zuschauer ist das nichts, allein aufgrund der düsteren Sets. Die Älteren werden mit visuellen Leihgaben und Anspielungen von „Uhrwerk Orange“ bis „Mad Max“ bei Laune gehalten. Pädagogischer Nutzen lässt sich daraus kaum ziehen. Die anarchische Welt der ersten beiden Teile sieht sich im Umbruch begriffen. Was fehlt ist die Unbeschwertheit, mitunter sogar der Humor.

Dennoch macht der Film über weite Strecken Spaß. Joachim Masannek weiß um die Qualität seiner Kinoabenteuer und spickt auch deren drittes mit visuellen Feinheiten und skurrilen Ideen. Dass „Die Wilden Kerle 3“ im Schlussdrittel an Fahrt verliert, ist ein Wehrmutstropfen. Das finale Kickerduell ist längst nicht so fesselnd wie in den ersten Teilen, die Figuren gerade hier getrieben von den Gefühlsausbrüchen zweifelnder Teenager. Wie zuvor erwähnt, mit märchenhaftem Kleinkinderkino hat das wenig zu tun. Aber seien wir ehrlich, die Grimms, Andersons und Buschs gingen mit ihren Figuren auch nicht gerade zimperlich um.

Wertung: (6 / 10)

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