Die Wilden Kerle 2 (D 2005)

die-wilden-kerle-2„Hottentottenalptraumnacht“

Einst sang Herbert Grönemeyer: „Die Welt gehört in Kinderhände“ – und selten wurde dieser Satz mehr zur Prämisse als im Kinoerfolg „Die wilden Kerle“. Was also lag näher, als die Abenteuer der kindlichen Superkicker auf großer Leinwand fortzuführen? Vor allem, da Autor und Regisseur Joachim Masannek („In Liebe, Catherine“) mit seiner Buchreihe längst die Herzen unzähliger kleiner wie großer Kinder im potzteufelscoolen Sturm erobert hat. Und so wird zwei Jahre nach dem Sieg der „Wilden Kerle“ über den Dicken Michi (Florian Heppert) und seine Spießgesellen ein neues Kapitel der besten Fußballmannschaft der Welt aufgeschlagen.

Nur noch ein einziger Sieg fehlt den „Wilden Kerlen“ in der Dimension Acht, der härtesten Liga des Landes, um den absoluten Hauptpreis zu gewinnen – ein Spiel gegen die deutsche Fußballnationalmannschaft im eigenen Stadion. Aber das Schicksal meint es nicht gut mit Leon (Jimi Blue Ochsenknecht, „Auf den Spuren der Vergangenheit“), Marlon (Wilson Gonzales Ochsenknecht, „Erleuchtung garantiert“), Raban (Raban Bieling, „Himmlische Helden“) und Co, entspricht der heimische Teufelstopf doch nicht den Richtlinien der UEFA. Um das Geld für den aufwendigen Umbau aufzutreiben, bleibt nur ein Pakt mit dem Teufel, Maxis (Marlon Wessel) Vater (Uwe Ochsenknecht, „Vom Suchen und Finden der Liebe“). Allerdings verlangt der Bankdirektor und passionierte Feind der „Wilden Kerle“ im Falle einer Niederlage des entscheidenden Spiels den Teufelstopf sowie die Auflösung des Vereins und den Eintritt der Kicker in einen Bastelclub für Weihnachtsschmuck!

Damit nicht genug, verliebt sich Flankengöttin Vanessa (Sarah Kim Gries, „Geschichten aus der Nachkriegszeit“) ausgerechnet in den blassen Vampir Gonzo Gonzales (Lennard Bertzbach). Der Anführer der skatenden „Flammenmützen“ nimmt Vanessa mit in seine finstre Nebelburg und besiegelt damit das Ende der „Wilden Kerle“. Denn ohne Vanessa scheint ein Sieg schier unmöglich. Nach einigen unlauteren Versuchen, die abtrünnige Mannschaftskameradin zurückzugewinnen, hat Leons und Marlons Vater (Tim Wilde, „Sumo Bruno“) einen unbequemen Einfall: Ehrlichkeit. So verfasst Leon mit Hilfe der übrigen „Wilden Kerle“ einen Liebesbrief. Nicht nur, um des Fortbestands der Mannschaft willen, sondern auch um seinen Gefühlen für Vanessa ein für allemal Ausdruck zu verleihen.

Alles ist gut, solange du wild bist. Gemäß diesem Leitsatz ist auch „Die Wilden Kerle 2“ ein kunterbuntes Abenteuer jenseits hinderlicher Realität. Waren Erwachsene in Teil eins zumindest noch sporadisches Beiwerk, reduziert sich die Welt der Ausgewachsenen in der Fortsetzung auf ein noch abgespeckteres Mindestmaß. Eltern sind eben nur für finanzielle Unterstützung, gute Ratschläge und filigran kreierte Eisbecher da! Joachim Masanneks pfiffige Inszenierung überzeugt neben der anarchischen Weltanschauung und der fantasievollen Ausstattung vor allem durch den feinfühligen und respektvollen Umgang mit der Gefühlswelt seiner vorpubertären Protagonisten. Denn die Geschichte ist mit seinen jungen Darstellern ebenso herangewachsen wie die nun zu bewältigenden Probleme der „Wilden Kerle“. So versteckt sich zwischen endzeitlichen Sperrmüllbauten, gruseligen Zwischentönen und infantiler Bolzplatzromantik gar irdisches Gefühlschaos. Und derlei Tiefgang in einem für kleine Zuschauer konzipierten Kinospaß anzutreffen ist schon aller Ehren wert.

Wertung: (7 / 10)

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