Die wilden Hühner (D 2006)

die-wilden-huehnerIrgendwo in einem Provinznest im tiefen Westen der Republik machen Grundschüler, was sie eben so machen – sie tun sich in Banden zusammen. Doch anstatt Autos zu knacken oder Drogen zu nehmen, beschränken sich die gemeinsamen Aktivitäten eigentlich auf fröhliches Beisammensein an lauen Sommernachmittagen und natürlich die gegnerische Bande, meist durch anderes Geschlecht gekennzeichnet, zu bekämpfen.

So ist es auch mit den Wilden Hühnern, einer Gruppe von vier jungen Damen um die 12. Unter der Leitung von Sprotte (Michelle von Treuberg, „Speer und Er“) machen sie sich ein schönes Leben. Dieser Friede wird jedoch durchbrochen, als Sprottes Großmutter (Doris Schade, „Rosa Luxemburg“) ihre Hühner, die Maskottchen der Mädchenbande, schlachten will. Die Mädchen wollen die possierlichen Nutzvögel natürlich retten, dazu brauchen sie aber die Hilfe der mit ihnen verfeindeten Bande – der Burschentruppe Die Pygmäen.

Wir ahnen, worauf das hinausläuft. Wieso auch nicht? „Die Wilden Hühner“ ist eben die Verfilmung eines Kinderbuchs, in diesem Fall des Romans „Fuchsalarm“ von Cornelia Funke. Und dass Zelluloid für Kinder nicht zwingend etwas Schlechtes sein muss, wissen wir ja auch spätestens seit der Augsburger Puppenkiste. Doch hier läuft leider nicht alles rund, was rund laufen sollte. Zwar geben sich die jungen Aktricen in ihren Rollen durchaus Mühe und vermitteln ihre Rollen auch sehr gut und auch die Phalanx an namenhaften Nebendarstellern wie Veronica Ferres oder Benno Fürmann kann der Film auf der Habenseite verbuchen, andererseits ist die Geschichte so vorhersehbar wie einfallslos und die Inszenierung vollkommen unspektakulär.

Zu grün wachsen die saftigen Wiesen um das Dorf der Wilden Hühner, zu Böse sind die Arbeiter auf dem Schrottplatz – die Stereotypen haben, wie für Kinderfilme nicht ganz unüblich, die Macht übernommen und sie geben sie nicht mehr her. Das nimmt den Charakteren natürlich Raum, um sich gut zu entfalten und schränkt so Darsteller und Publikum überflüssigerweise ein. Im krassen Gegensatz dazu steht allerdings der ständige Verweis auf die Patchworkfamilien, aus denen alle Kinder hier kommen. Der eine wird von seinem Vater geprügelt, die andere muss sich an die neue Freundin ihres Vaters gewöhnen. Ironische Brechung? Nein, mehr rückt der Satz, nachdem die Familie des 21. Jahrhunderts aus Freunden und nicht aus Verwandten besteht, ins Zentrum der Anschauung. Das allein reicht aber nicht für einen guten Kinderfilm. Dafür fehlt hier doch noch zu viel.

Wertung: (4 / 10)

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