Die Todeskandidaten – The Condemned (USA 2007)

die-todeskandidatenMit Medienkritik ist das so eine Sache. Will man ihre partiell grenzwertigen Mechanismen anprangern, sollte man besser nicht ins selbe Horn blasen. „Die Todeskandidaten“ übt sich zwar in der Vorhaltung eines Spiegels ins voyeuristische Antlitz des Publikums, gefällt sich dabei aber zu sehr in der Rolle des zynisch brutalen Prügel-Actioners. Das mag an der produzierenden Wrestling-Liga WWE liegen, die bereits mit „See No Evil“ und „The Marine“ populäre Muskelberge auf die Leinwand hievte. Dennoch hätte bei all dem gepumpten Adrenalin ruhig auch mal das Hirn eingeschaltet werden können.

Millionär Ian Breckel (Robert Mammone, „Matrix Reloaded“) hat sich ein Internetevent der ganz besonderen Art einfallen lassen: Zehn zum Tode verurteilte Kandidaten, freigekauft aus schäbigen Gefängnissen der dritten Welt, sollen 30 Stunden auf einer mit Kameras gespickten Pazifikinsel auf Leben und Tod kämpfen. Der letzte Überlebende wird freigelassen und großzügig belohnt. Auf Kurs gehalten werden die unfreiwilligen Teilnehmer durch an den Knöcheln befestigte Sprengladungen, die nach Ablauf der gesetzten Frist automatisch detonieren. Die Motivation ist also entsprechend hoch.

Was Regisseur und Co-Autor Scott Wiper („Sterben – Aber richtig!“) hier abliefert, ist die angepasste US-Version der japanischen Schlachtplatte „Battle Royale“. Weil sich in Hollywood aber niemand an die Ermordung Minderjähriger traut, müssen eben Gewaltverbrecher Spalier stehen. Den Gesetzen des kommerziellen Filmvergnügens entsprechend braucht es aber auch einen Helden. Da kommt „Stone Cold“ Steve Austin („Spiel ohne Regeln“) zum Tragen, was gar nicht so leicht auszumachen ist, da er sich in seiner hölzernen Mimik kaum von der Bewaldung des Eilands abhebt.

Ihm gegenüber steht Vinnie Jones („Snatch“), der zu seiner Zeit als Fußballprofi den Spitznamen „Die Axt“ inne hatte – und sich mit dem Feingefühl einer solchen auch durch dies hohle Klischeespektakel chargiert. Dass der von Austin verkörperte Jack Conrad keinen alltäglichen Todgeweihten darstellt, ahnt der Zuschauer schnell. Hinter dem Stiernacken verbirgt sich nämlich ein Regierungsagent, der während seines letzten Auftrags gefasst und im Schurkenstaat weggesperrt wurde. Dem an der Heimatfront gegen Breckel ermittelnden FBI-Agenten Wilkins (Sullivan Stapleton, „December Boys“) kommt das gerade recht.

Die in Amerika ablaufenden Nebenhandlungen sind das notwendige Übel eines Streifens, der sich zwar gern auf das Wesentliche beschränken würde, darüber aber nicht die Botschaft des aufrechten Amerikaners vergessen darf. Das wirkt nur umso ärgerlicher, da Wiper dramaturgisch kaum eine Plattheit ausspart und die Routine-Action zudem ohne nennenswerte Höhepunkte abspult. So wird im Nahkampf eifrig an der Kamera gerüttelt, damit die Rangeleien auch ja nicht zu statisch wirken. Insgesamt also nicht mehr als tumbes Proll-Kino, das sicherlich schlechter, aber kaum formelhafter hätte ausfallen können.

Wertung: (3 / 10)

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