Die Spezialisten unterwegs (USA 1985)

die-spezialisten-unterwegsDie Wiederentdeckung einer TV-Perle: Koch Media bringt „Die Spezialisten unterwegs“, auf Privatsender-Urgestein RTL Plus 1988 in Deutschland erstmalig ausgestrahlt, als DVD-Komplettpaket heraus. Obwohl die Reihe nach nur einer Staffel und 16 Folgen – durch die Zweiteilung des Pilotfilms wurden es hierzulande 17 – abgesetzt wurde, geriet sie bei ihren Fans nie in Vergessenheit. Vor allem an die richtet sich die fünf Silberlinge umfassende Box, wobei neben der deutlich spaßigeren deutschen Synchronisation auch der englische Originalton berücksichtigt wurde.

In ihrer Machart ist die von James D. Parriott (Mit-Schreiber und -Produzent der „Sieben Millionen Dollar Frau“) konzipierte Serie überdeutlich ein Kind der Achtziger. Die Musik ist ein Gewitter aus Synthie-Pop und Drum-Computer, die Plots so kraus wie die Frisuren der Darsteller. Weil der Humor aber deutliches Übergewicht vor einer ernsten Abhandlung der Superheldengeschichten einnimmt, ist der herrlich alberne Vorfahr von „Heroes“ auch mehr als zwei Dekaden nach seiner Herstellung noch höchst angenehme Zeitverschwendung. An Logik wurde kein Gedanke verschwendet, dafür zügellos Science-Fiction mit Fantasy, Abenteuer mit Thriller gekreuzt.

Auslöser der haarsträubenden Ereignisketten sind die Wissenschaftler Billy Hayes (Dean Paul Martin, „Final Night – Die letzte Nacht“) und Elvin ´El´ Lincoln (Kevin Peter Hall, „Predator“), die am Humanidyne Institut in Los Angeles Menschen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten erforschen. Zu denen gehören die telekinetisch begabte Gloria („Friends“-Star Courteney Cox) und Musiker Johnny (Mark Thomas Miller, „Mein Leben mit Elvis“), genannt B-Man, der nach einem Unfall Energieblitze verschießen und schnell wie der Wind laufen kann. Gemeinsam helfen sie der Gerechtigkeit mit unorthodoxen Methoden auf die Sprünge.

Dabei kann der übergroße El nach einem Selbstversuch auf Puppengroße schrumpfen. Nur Billy hat keine speziellen Kräfte, was er durch schräge Ideen und große Klappe ausgleicht. Ihren Brötchengeber Stetmeyer („Alf“-Familienoberhaupt Max Wright) treiben sie dabei regelmäßig an den Rand des Wahnsinns, ebenso Glorias Bewährungshelferin Jane (Jennifer Holmes, „Samson und Delilah“), die ihnen jedoch stets als helfende Hand beisteht. Als Transportmittel dient ihnen ein Eiswagen, der im Piloten zur Zwischenlagerung des Ice Man benötigt wurde. Der bärtige Wunderknabe wurde zwar aus der Serie gestrichen, das ungewöhnliche Gefährt aber blieb.

Was Freunden der Reihe Freudentränen in die Augen treibt, dürfte Unkundigen kaum mehr als ein Achselzucken abringen. Natürlich ist „Die Spezialisten unterwegs“, mit dessen Originaltitel „Misfits of Science“ ein Gutteil von Billys Garderobe verziert ist, von der Zeit eingeholter Unterhaltungsnonsens. Doch gerade das macht den Reiz, ferner das Kultpotential aus. Eine Wiederaufnahme scheiterte später am plötzlichen Tod zweier Hauptdarsteller. Dean Paul Martin, Sohn von Entertainment-Legende Dean Martin, starb 1987 bei einem Flugzeugabsturz, der 2,20 große Kevin Peter Hall erlag 1991 der Immunschwächekrankheit AIDS. Umso schöner wiegt, dass die Helden von einst digital auferstehen. Das Fehlen jeglichen Zusatzmaterials verzeiht man da gern.

Wertung: (7 / 10)

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