Die sieben Schwerter (CN/HK/ROK 2005)

die-sieben-schwerterMit Ang Lees „Tiger & Dragon“ (2000) entdeckte das chinesische Kino die Vermengung aus Martial-Arts-Poesie und Historien-Drama wieder. Nach Zhang Yimous epochalen Kampfkunstwerken „Hero“ (2002) und „House of Flying Daggers“ (2004) lässt auch Kult-Regisseur Tsui Hark („Peking Opera Blues“) fiktive Geschichte lebendig werden. Allerdings orientiert sich der Filmemacher bei „Seven Swords“ weniger am märchenhaften Tenor der Vorreiter, sondern hält am eigenen Oeuvre fest. Anstatt der ballettartigen Magie von Lee und Yimou zu erliegen, setzt Hark auf Unterhaltung im Stile seines „Once upon a Time in China“ (1991).

Im 17. Jahrhundert ächzt das chinesische Reich unter der kaiserlichen Tyrannei. Traditionelle Werte werden unterjocht, die Ausübung von Martial-Arts gar gänzlich verboten. Eine Bande von Söldnern merzt unter Befehlsgewalt des despotischen Fire-wind (Hong-Lei Sun, „Happy Times“) all jene aus, die sich der Anordnung widersetzen. Verschont bleiben weder Frauen noch Kinder. Als das Dorf der jungen Yuan Yin (Charlie Yeung, „New Police Story“) in Gefahr gerät, bricht sie mit Han (Lu Yi, „A Time to Love“) und dem verwundeten Meister Fu (Chia-Liang Liu, „Die 36 Kammern der Shaolin“) auf, um in der Ferne Beistand zu erbitten. Auf verschneiten Berggipfeln werden sie fündig.

„Seven Swords“ ist ohne Frage opulent ausgestattet und ausholend erzählt. Jedoch gerät bereits die Einleitung schleppend, über die folgende Rekrutierung der in idyllischer Abgeschiedenheit vegetierenden Schwertmeister – darunter Donnie Yen („Iron Monkey“) und Leon Lai („Fallen Angels“) – vergeht fast eine Stunde. Im weiteren Verlauf bemüht sich der Film um Gleichgewicht zwischen emotionaler Tiefe und heißblütigen Schlachtsequenzen. Bei denen werden zwar physikalische Gesetzmäßigkeiten ausgehebelt, inszenatorische Wucht wird dem mythischen Swordsplay-Spektakel damit nicht impliziert. Trotzdem ist „Seven Swords“ Tsui Harks beeindruckendster und bester Film seit langem.

Bedächtige Momente bleiben überschattet von reichhaltiger Action, die weder mit Gewalt geizt, noch mit dem Einsatz ungewöhnlicher Waffen. Auch hier spielt der Film seine Nähe zum Hongkong-Kino der frühen neunziger Jahre aus. Vage Parallelen lassen sich auch zu Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ (1954) ziehen, doch steht bei Tsui Hark meist der mit Waffengewalt ausgetragene Konflikt im Vordergrund. Dass die Charakterzeichnung der schieren Figurenfülle trotzdem gelingt, liegt in erster Linie an den überzeugenden Darstellern. Denn diese verleihen „Seven Swords“ eine Kontur, welche die beizeiten zerfahrene Erzählstruktur nicht im Stande erscheint bieten zu können.

Wertung: (6,5 / 10)

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