Die Rechnung wird mit Blei bezahlt (I 1968)

die-rechnung-wird-mit-blei-bezahlt„Vier Kugeln für einen Mann. Wenn du so verschwenderisch bist, kommst du zu nichts.“ – Ryan

Rache ist das ewige Motiv des Italo-Western. Fast immer ist da ein Mann, dem ein anderer die Frau, die Familie oder das Land nahm. Die Konsequenz ist der Griff zur Waffe und die Vendetta im Namen der Gerechtigkeit. Die Moral ist perfide, in ihrer Rechtfertigung manchmal sogar fragwürdig. Darüber hinwegsehen lässt die Form, das Ambiente, diese den verklärten US-Cowboyfilm unterlaufende Kompromisslosigkeit. Giulio Petronis („Tepepa“) Vergeltungsritt „Die Rechnung wird mit Blei bezahlt“, auch bekannt unter dem Titel „Von Mann zu Mann“, bedient inhaltlich lediglich den Standard, fesselt aber durch die einfallsreiche Inszenierung und sehenswerte Darsteller.

Während einer stürmischen Nacht wird ein auf der Farm der Meceitas untergebrachter Werttransport überfallen. Als die Wächter tot sind, dringen die Banditen in das Haus der Familie ein. Der Vater stirbt durch eine Kugel, Mutter und Tochter werden erst bedrängt und anschließend selbst erschossen. Es überlebt nur der Sohn, noch ein Kind, versteckt hinter einem Stapel Brennholz. Er prägt sich markante Auffälligkeiten der vier maskierten Täter ein, eine Tätowierung, der Schnitt eines entblößten Gesichts, einen Ohrring. Nach der brutalen Tat steckt einer der Mörder das Haus in Brand. Im Schutze der Dunkelheit trägt ein anderer den Jungen unbemerkt ins Freie und rettet ihm damit das Leben.

Schnitt. Der nun erwachsene Überlebende jener schicksalhaften Nacht, Bill Meceita (Peter Lee Lawrence, „Barbarella“), übt sich im Umgang mit dem Schießeisen, um die Auslöschung der Familie zu sühnen. Parallel wird der alternde Desperado Ryan (Lee Van Cleef, „Der Gehetzte der Sierra Madre“) aus einem Straflager entlassen. Fortan sucht er seine früheren Gefährten, jene Kumpane, die ihm die Haft einbrachten. Dabei begegnet er Bill, der ihm bei seiner Abrechnungstour wiederholt in die Quere kommt. Denn die Schuldigen, die es über die Jahre zu Wohlstand gebracht haben, sind auch die kaltblütigen Killer seiner Verwandten.

In seiner Gewaltdarstellung ist Petronis zwar vorhersehbarer, darüber aber kaum weniger packender Film, von einer nüchternen Eindringlichkeit. Treffend unterstrichen wird diese von Ennio Morricones („Todesmelodie“) reduziertem Soundtrack, der sich der groben Charakterisierung der Protagonisten anzugleichen scheint. Gegenüber dem starken Lee Van Cleef fällt Peter Lee Lawrence deutlich zurück, was das Niveau jedoch nicht zu senken vermag. Die Chemie zwischen den beiden stimmt, was das erfahrene Raubein und den hitzköpfigen Jungspund am Ende doch zur schlagkräftigen Gemeinschaft schweißt.

Getrennt suchen sie ihre Rache, gemeinsam wird sie sich erfüllen. Nachdem das erste Opfer schnell beseitigt ist, erweist sich Bankier Walcott (Luigi Pistilli, „Bandidos“), in dessen Diensten sich auch die beiden anderen Killer finden, als wehrhafter Kontrahent. In einem kleinen Nest hinter der mexikanischen Grenze, wo unliebsame Besucher gern bei sengender Hitze bis zum Hals eingegraben werden, kommt es zur klärenden Konfrontation. Selbst wenn sich die finale Wendung früh ankündigt, nimmt die Atmosphäre bis zum zünftigen Showdown im Sandsturm keinen Schaden. Stark bebildert, packend erzählt – auch ohne echte Neuerungen ein gehobener Genrebeitrag.

Wertung: (7 / 10)

scroll to top