Die Päpstin (D/I/E 2009)

die-paepstinSie ist eine der umstrittensten Frauenfiguren der Geschichte und ihre Existenz wird bis heute vehement angezweifelt. Im 9. Jahrhundert soll Johanna von Ingelheim auf dem Thron des heiligen Vaters in Rom gesessen haben. Historiker und vor allem Kirchengelehrte streiten um den Wahrheitsgehalt dieser bedeutenden anonymen Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Frau. Ihr Weg führt vom heimischen Franken, wo der Vater (Iain Glen, „Die letzte Legion“), ein ärmlicher Landpriester, die Familie terrorisiert, durch bigotte Machtstrukturen und patriarchale Autoritäten bis an die irdische Spitze des Christentums.

Mit der Verfilmung von Donna Woolfolk Cross‘ spekulativem Roman „Die Päpstin“ legt Erfolgsregisseur Sönke Wortmann („Das Wunder von Bern“) prächtiges, leider aber auch arg emotionsloses Ausstattungskino vor. Die Detailtreue von Kulissen und Kostümen, die Darstellung von Ländern und Leuten, beeindruckt. Auf der Strecke bleibt jedoch die zäh erzählte Geschichte, die Johanna Wokalek („Der Baader Meinhof Komplex“) als außerordentlich kluge Frau unerkannt unter Männern den Weg nach oben finden lässt.

Die Zeiten sind hart, die poltischen Zustände kriegerisch. Frauen fristen ein Leben als Leibeigene ihrer Männer. Vor Gott ist es gar ein Frevel, sie Lesen und Schreiben zu lehren. Johanna schult ihren klugen Geist dennoch, mit Hilfe des älteren Bruders und einem Gelehrten, der ihr geistiges Potential erkennt. Als sie an die Grenzen des ihr zugestandenen Wissenszuwachses gerät, schneidet sie sich das Haar und studiert den Glauben fortan als Mann. Unter steter Furcht, enttarnt und gerichtet zu werden, schafft sie es bis nach Rom, wo sie bald zum Berater von Papst Sergius (John Goodman, „Speed Racer“) aufsteigt.

Der Komplexität der Buchvorlage wird Wortmann in 140 langatmigen Minuten nicht gerecht. Johannas Liebe zu Krieger Gerold (David Wenham, „Der Herr der Ringe“) wird bestenfalls angedeutet und dient lediglich als Zubringer des betont tragischen Finales. Nach dem plötzlichen Tod Sergius‘ wird überraschend Johanna auf den Stuhl Petri gewählt und versucht vor allem den Bedürftigen beizustehen. Im Vatikan, wo hinter Palastmauern Intrigen und Missgunst brodeln, macht sie sich damit mächtige Feinde. So ehrbar die unspektakuläre Inszenierung auch scheint, das kühl gespielte Historien-Drama fesselt einfach zu selten. Für eine Produktion von internationalem Format ist das schlichtweg zu wenig.

Wertung: (5 / 10)

 

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