Die lustige Welt der Tiere (ZA 1974)

Dokumentarfilme über die Tierwelt galten lange als pädagogisches Begleitprogramm. Regisseur Jamie Uys verfolgt mit „Die lustige Welt der Tiere“ einen anderen Ansatz. Ihm geht es darum, die Tiere der Namib mit menschlich vergleichbaren Wesenszügen auszustatten – daher der Originaltitel „Animals Are Beautiful People“ – und neben grundlegendem Informationsgehalt vor allem für humorige Kurzweil zu sorgen. Die mit eloquentem Witz versehenen Sprechertexte stehen dabei ganz im Dienste der Bilder. Zwar sind die teilweise nur zu deutlich als teil-inszeniert zu erkennen, bieten durch geschickte Schnitte, rückwärts abgespulte Szenen oder Parallelmontagen aber möglichst amüsante Einblicke in das Leben in der Wüste.
Dabei bleibt der eigentliche Star des Films die beeindruckende Naturkulisse selbst. Die Namib erscheint als lebensfeindlicher Ort, in dem Sandbewegungen wie Meeresströmungen wirken und trotzdem eine erstaunliche Artenvielfalt existiert. Später weitet sich der Blick auf die noch größere Kalahari aus. In kurzen Episoden begegnet der Zuschauer unter anderem Affen, Löwen, Warzenschweinen, Meerkatzen, Klopfkäfern, Eierschlangen oder Webervögeln. Gerade die damit verbundene episodische Struktur verleiht dem Film einen flüchtigen Charakter, der weniger einer klassischen Naturdokumentation als vielmehr einer locker zusammengefügten Sammlung tierischer Anekdoten gleichkommt.
Für die unvergesslichsten Eindrücke sorgen allerdings die Affen: Sobald es in der Abenddämmerung kühler wird, schlagen die Tiere auf ihrem Geröllhügel artistische Räder, ehe sie sich später – neben anderen Arten – an gärenden Früchten berauschen und benommen umhertorkeln. Begleitet werden die Bilder von klassischen Musikstücken und komödiantischen Soundeffekten, die den humoristischen Grundton zusätzlich verstärken. Nicht jede Pointe hat die vergangenen Jahrzehnte dabei schadlos überstanden – insbesondere der etwas altbackene Humor mit Bezug auf das Verhältnis von Frauen und Männern wirkt doch merklich aus der Zeit gefallen.
Trotzdem entfaltet der Film durch seine spürbare Begeisterung für die Natur und seine beinahe kindliche Verspieltheit noch immer einen eigentümlichen Charme. Ein wenig aus dem Rahmen fällt allerdings der kurze Einblick in das archaisch wirkende Leben indigener „Buschmänner“, dessen finaler Inszenierungskniff Regisseur Jamie Uys wohl dazu verleitet haben dürfte, später „Die Götter müssen verrückt sein“ (1980) zu drehen. Dass „Die lustige Welt der Tiere“ auch nach rund einem halben Jahrhundert noch ein prächtiges Vergnügen für Jung und Alt bietet, liegt vorrangig an der Mischung aus dokumentarischer Neugier, trockenem Humor und ehrlicher Faszination für eine Natur, die hier zugleich lebensfeindlich und verblüffend lebendig erscheint.