Die letzten Amerikaner (USA/GB/CH 1981)

die-letzten-amerikanerEin Wochenendmanöver von Reservisten in den Sümpfen Louisianas artet in ein Massaker aus, als die Soldaten den Zorn der ansässigen Bewohner auf sich ziehen. Was leicht hätte zu einem Einheitsbrei in Sachen Action verkochen können, geriet unter der Federführung Walter Hills („The Driver“) zur hintergründigen Psychostudie. Der Originaltitel „Southern Comfort“ spiegelt die bissige Doppelbödigkeit weit besser wider als sein deutsches Pendant „Die letzten Amerikaner“. Hills Film ist eine kluge Parabel über Ursache und Auswirkung von Gewalt, ein unbequemes Werk in der Tradition von „Beim Sterben ist jeder der Erste“ und „Wer Gewalt sät“.

Neun Männer der Reservetruppe – darunter Fred Ward („Miami Blues“) und Peter Coyote („Zeit der Vergeltung“) – brechen zu einem Trainingseinsatz in die Sümpfe auf. Um Zeit zu sparen, nutzen sie ohne Erlaubnis die Kanus der Cajuns, französische Einwanderer, die abgeschottet von der Außenwelt ein karges Dasein fristen. Als einer der Soldaten mit Platzpatronen das Feuer auf die nahenden Besitzer eröffnet, eskaliert die Situation. Der Gruppenführer wird aus dem Hinterhalt erschossen, die übrigen zum Freiwild erklärt. Mit begrenzter Anzahl scharfer Patronen wird die Flucht durch das unwirtliche Terrain zum Höllentrip.

Angesiedelt ist die Geschichte im Jahr 1973. Die Kritik des Films kann entsprechend auch in Richtung einer kritischen Stellungnahme zum Krieg in Vietnam interpretiert werden. Wie Invasoren fallen die Reservisten in fremdes Gebiet ein und machen sich selbst zum Herrn über die Besitztümer anderer. In der Gefahr eines unsichtbaren Feindes kochen die Emotionen hoch und lassen die Männer, anstatt füreinander einzustehen, wie tollwütige Hunde übereinander herfallen. In ihrer Unfähigkeit, dem Konflikt mit Vernunft zu begegnen, verschlimmern sie die Lage beständig. Der Geiselnahme eines Cajun (Brion James, „Blade Runner“) folgt die Zerstörung seiner Behausung.

Mit geradezu verärgernder Engstirnigkeit hastet der Trupp in sein Verderben. Die Stimmen der Vernunft bleiben ungehört. Sie entstammen den Soldaten Spencer (Keith Carradine, „Long Riders“) und Hardin (Powers Boothe, „Ausgelöscht“). Der Versuch, der Hölle ihrer Uniform zu entkommen, schweißt die beiden Männer zusammen und lässt auch sie im Überlebenskampf die Menschlichkeit vergessen. Den atmosphärischen Höhepunkt schafft Hill am Ende. Gestrandet in einer Siedlung der Einheimischen streift Spencer die Paranoia ab, während Hardin allgegenwärtig Gefahr wittert. Das abrupte Finale hinterlässt eine gewisse Hilflosigkeit, weil es die Anspannung trotz der Rettung vor Augen nicht löst. Subtilität im Actionfach ist so ungewöhnlich wie selten. Die moralische Sprengkraft von „Die letzten Amerikaner“ sucht im gegenwärtigen Genrekino ihresgleichen.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Zombie 2 – Day of the Dead (USA 1985)

    Auch der Dämmerung der Toten folgte ein Tag, der „Day of the Dead“. Sieben Jahre nach seinen Zombies in der Shopping Mall („Dawn of the Dead“) legte George A. Romero nach und führte seine Untoten-Trilogie, die 1968 mit dem Independent-Meilenstein „Night of the Living Dead“ ihren Anfang genommen hatte, zu einem (vorläufigen) Abschluss. Das System…

  • The Shining (USA/GB 1980)

    Klassifizierungen wie „der ultimative Horrorfilm“ sind mit Vorsicht zu genießen. Leicht lässt sich das subjektive Urteilsvermögen vom Schrecken des Augenblicks mitreißen. Das meisterliche Angsterzeugen aber behält sich eine Wirkung vor, die weit über die eigentliche Rezeption hinausreicht. Die Anspannung hält an, jagt allein durch bloße Erinnerung kalte Schauer über den Rücken. Setzt man den Maßstab…

  • The Fog of War (USA 2003)

    Im Jahr 2003 erstellte Dokumentarfilmer Errol Morris („Vernon, Florida“) ein Portrait des ehemaligen US-Verteidigungsministers und späteren Weltbankpräsidenten Robert Strange McNamara. Diese 2004 mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnete Abhandlung über Effizienz, Moral und Krieg zeichnet ein höchst interessantes Bild eines der kontroversesten Politikers des 20. Jahrhunderts. McNamara, Verteidigungsminister unter John F. Kennedy und…

  • The Fire Dragon Chronicles (USA 2008)

    Im Klappentext ist von Orks die Rede, als Referenzen werden „Eragon“ und „Dungeons & Dragons“ genannt. Nein, originell geht es bei „The Fire Dragon Chronicles“ offenkundig nicht zu. Doch Stephen Shimeks Low Budget-Fantasy, im Original übrigens schlicht „Dragon Hunter“ betitelt, ist nicht bloß aus diversem Genrewerk zusammengestoppelt, sondern auch recht unansehnlich produziert. Fairerweise muss man…

  • Maniac (F/USA 2012)

    Seit dem Welterfolg „Der Herr der Ringe“ spielt der einstige Kinderstar Elijah Wood mit beachtlicher Vehemenz gegen das Image von Saubermann und Hobbit an. Nach Werken wie „Hooligan“ oder „Sin City“ wird diese Abkehr von „Maniac“ gekrönt, dem von Alexandre Aja produzierten Remake des gleichnamigen Schockers von 1980. Mit Neuverfilmungen ist Aja, der bereits die…

  • J.D.’s Revenge – Rache aus dem Jenseits (USA 1976)

    „Ain’t nothing wrong with my soul.“ – Ike Die Blaxploitation-Welle der 1970er hat auch den Horrorfilm ergriffen. Dabei sind „Blacula“ (1972) und „Blackenstein“ (1973) nicht allein deutliche Anlehnungen an die Klassiker der Universal-Ära, sie bedienen mit „Die schwarzen Zombies von Sugar Hill“ (1974) zudem trashige Unterhaltungsbedürfnisse. „J.D.’s Revenge“ – oder in der deutschen Variante: „Rache…