Die Kampfmaschine – The Longest Yard (USA 1974)

die-kampfmaschine„Most of these boys have nothin’, never had anything to start with. But you, you had it all. You could have robbed banks, sold dope or stole your grandma’s pension checks and none of us would have minded. But shaving points off of a football game, man, that’s un-american!“ – Mit einfacher Moralvorstellung: Caretaker

In den Siebzigern war Kino noch ruppig. Die jungen Wilden hatten das Studiosystem endgültig zum Einsturz gebracht und eine ungeschönt provokante Tonalität etabliert, die es erlaubte mit Wut in gesellschaftlichen Wunden zu bohren. Vor allem die Rolle der Afroamerikaner veränderte sich nachhaltig. Unterschwellig veranschaulicht dies auch das starke Burt Reynolds-Vehikel „The Longest Yard“ (deutscher Titel: „Die Kampfmaschine“, alternativ: „Die härteste Meile“), das die moralfreie Läuterung eines selbstzerstörerischen Ex-Sportstars hinter Gittern zeigt. Mit zynischem Humor und packender Action zeigt der von Robert Aldrich („Das dreckige Dutzend“) schnörkellos inszenierte und mit einem Golden Globe ausgezeichnete Film, das triviale Unterhaltung keineswegs dumm sein muss.

Nachdem er seine Football-Karriere durch Spielmanipulation gegen die Wand gefahren hat, lässt sich Paul Crewe (Reynolds) als Boy Toy von einer reichen Frau aushalten. Als deren Hohn eine Spur zu weit geht, wird der einstige Star-Quarterback handgreiflich und flieht volltrunken mit einem Sportwagen. Nach einer wüsten Verfolgungsjagd mit der Polizei versenkt er das Auto im Wasser und widersetzt sich der Verhaftung. Zur Strafe wandert Crewe für 18 Monate ins Gefängnis, wo er aufgrund seiner Vergangenheit von den Mithäftlingen mit Argwohn betrachtet wird. Ein freundschaftliches Verhältnis baut er einzig zu einem Sträfling mit Spitznamen Caretaker (James Hamtpon, „China Syndrome“) auf.

Als ihn der machthungrige Direktor Hazen (Eddie Albert, „Der längste Tag“) als Co-Trainer für das semi-erfolgreiche Footballteam der Wärter (zu dem auch Football-Legende Ray Nitschke zählt) gewinnen will, lehnt Crewe unter Androhung harscher Repressalien durch den sadistischen Oberwachmann Knauer (Ed Lauter, „Eureka“), zugleich Teamleiter und Coach des Teams, dankend ab. Sanktioniert wird sein Ungehorsam dennoch. So erklärt er sich bereit, eine Sträflings-Mannschaft auf die Beine zu stellen, die den Wachen in einem Testspiel gegenüber tritt. Behilflich ist ihm der ehemalige Football-Profi Nate Scarboro (Michael Conrad, „Hill Street Blues“), dessen Rolle Reynolds im Remake von 2005 bekleidete. Doch bereits die Teambildung bereitet Probleme, da die afroamerikanischen Häftlinge das sportliche Kräftemessen boykottieren.

Die Gratwanderung zwischen Knast-Drama und Sport-Komödie gelingt dank harter Alltagsschilderung und packender Football-Action mit Bravour. Der bisweilen derbe Wortwitz und unterschwelliger Sexismus tragen zum ungezügelten Ton bei. So schart Crewe, nachdem sich auch die afroamerikanischen Häftlinge vom Argument überzeugen lassen, den Wachen straffrei zu Leibe rücken zu dürfen, eine illustre Truppe aus Schwerverbrechern (u.a. „Bond“-Beißer Richard Kiel) und Mördern zusammen, die sich den Wachen in einem brutalen Match entgegenstellen. Dass Crewe sein Team auch diesmal verraten soll, hält die Spannung dieses schnörkellos rabiaten Genre-Mix bis zum Schluss aufrecht. Der ehemalige College-Footballer Reynolds, dem eine Verletzung die Profikarriere verdarb, macht auch ohne den später stilprägenden Schnurbart eine glänzende Figur. Nicht umsonst zählt „The Longest Yard“ bis heute zu seinen besten Filmen.

Wertung: (8 / 10)

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