Die Geschwister Savage (USA 2007)

die-geschwister-savageIn Hollywood werden schwere Themen der Bekömmlichkeit wegen gern im Kitsch ertränkt. Der Gegenentwurf dazu heißt „Die Geschwister Savage“, ein vor sarkastischem Witz sprühendes Drama, das sich essentiellen Wesenszügen des familiären Miteinanders von einer erfrischend unverkrampften Seite nähert. Der geistige Verfall des altersschwachen Vaters wird für eine innige Durchleuchtung der Kinder genutzt, jene Geschwister Wendy und Jon Savage, in deren Verkörperung Laura Linney („Mystic River“) und Philip Seymour Hoffman („Capote“) zu Höchstform auflaufen.

Gestellt wird die Frage nach der Verantwortlichkeit gegenüber dem alterskranken Elternteil. Soll der demente Geist einfach ins Heim abgeschoben oder doch lieber in eigener Fürsorge gepflegt werden? Bedenkt man den maroden Zustand des amerikanischen Gesundheitssystems, stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Zumal Wendy und Jon berufstätig sind. Sie ist gelegentliche Bürofachkraft und versucht ein Sponsoring für die Vollendung ihres autobiographischen Theaterstücks zu erlangen, er ist Dozent, Autor und fachkundiger Brecht-Kenner. Dazu sind beide beziehungsunfähig und hadern mit den Folgen einer ausgewachsenen Midlife-Crisis.

In diese häusliche Depression stößt nun die Benachrichtigung über den schlechten Gesundheitszustand des Vaters, stark gespielt von Philip Bosco („Harry außer sich“), zu dem beide aufgrund angehäufter Kindheitstraumata seit Jahren keinen Kontakt pflegen. Nun aber sind sie aus familiärem Pflichtgefühl aufgefordert, für dessen Unterbringung und Pflege zu sorgen, was in einen ungeschönten Seelenstriptease mündet, dem es weder um moralisch manifeste Botschaften, noch gemeingültige Handlungsanleitungen geht. Die Fragen zur Sicherung des Lebensendes, etwa ob lebenserhaltende Maschinen abgestellt werden sollen, sind unbequem, deshalb aber nicht weniger immanent.

Die für ihr Skript Oscar-nominierte Autorenfilmerin Tamara Jenkins setzt auf die Natürlichkeit der Bilder und Gesten. Da ist nichts Aufgesetztes, nichts Künstliches, ja nicht einmal etwas tief Trauriges. Weder im Tod, der als ungemütlicher und doch natürlicher Lauf der Welt betrachtet wird, noch in der Vergangenheit der Familie, deren Vorfälle lediglich angedeutet werden. Und doch begleiten die seelisch vernarbten Geschwister ihren Vater bis zum Ende und schöpfen für sich daraus sogar noch den Mut, an ihren eigenen Schwächen zu arbeiten. Ein unsentimentaler wie oft komischer, ein grandios besetzter und ebenso gespielter Film, der dem leidigen US-Standard auf brillante Weise widerstrebt.

Wertung: (8 / 10)

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