Die fantastische Welt von Oz (USA 2013)

die-fantastische-welt-von-ozFrüher, da profilierte sich Sam Raimi über zünftige Horror-Schocker. Mit dem Low Budget-Splatterfilm „Tanz der Teufel“ (1981) schrieb er Kinogeschichte und avancierte über zwei ironisierte Fortsetzungen zum Kult-Regisseur. In den späten Neunzigern, mit dem leisen Thriller „Ein einfacher Plan“, begann eine Zeit des Wandels, die ihn im neuen Jahrtausend zum gefeierten Blockbuster-Regisseur („Spider-Man“) machen sollte. Dass ausgerechnet ihn der Disney-Konzern engagierte, um die Vorgeschichte des auf L. Frank Baums berühmtem Kinderbuch basierendem Klassiker „Der Zauberer von Oz“ (1939) zu drehen, birgt also weniger Überraschungspotenzial, als es Raimis Vergangenheit vermuten ließe.

Trickreich und in schillernd farbenfroher Optik erzählt der Film, wie der Zauberer von Oz an jenen sagenhaften Ort kam, der scheinbar nur via über das Land fegende Wirbelstürme erreicht werden kann. Selbiges Schicksal ereilt 1905 Oscar Diggs (arbeitete mit Raimi bereits bei dessen „Spider-Man“-Trilogie zusammen: James Franco), genannt Oz, einen selbstgerechten und nur auf den eigenen Vorteil bedachten Jahrmarktmagier und Illusionisten. Auf der Flucht vor einem mit der Untreue seiner Gattin hadernden Kraftprotz flieht er mit einem Fesselballon, wird von einem Unwetter verschluckt und landet schließlich in der fantastischen Welt, die seinem Spitznamen gleicht.

Dort hält man ihn für den sehnsüchtig prophezeiten Zauberer, der das Land von der bösen Hexe Glinda (Michelle Williams, „My Week With Marylin“) befreien und endlich Frieden bringen soll. In Erwartung eines Goldvermögens erschleicht er sich das Vertrauen der jungen Hexe Theodora (Mila Kunis, „Ted“), deren zwielichtige Schwester Evanora (Rachel Weisz, „Die Mumie“) ihn sogleich auf gefährliche Mission entsendet. In Begleitung des geschwätzigen fliegenden Affen Finley – im Original mit der Stimme von „Scrubs“-Star Zach Braff, der im schwarz-weißen Prolog auch als Oz’ Bühnenassistent auftritt – sowie einem verwaisten Porzellan-Puppenmädchen schickt er sich an, die Prophezeiung zu erfüllen.

Aufgrund der farbintensiven, recht künstlich wirkenden visuellen Aufmachung drängen sich Vergleiche zu Tim Burtons eigenwilliger Adaption von „Alice im Wunderland“ auf. Wo Regie-Exzentriker Burton in seinen Werken aber morbide Ideenfülle und unterschwellig schauerliche Atmosphäre kombiniert, begnügt sich Raimi mit einem artifiziell schillernden Bilderbogen, dem es trotz permanenten fantastischen Anstrichs spürbar an Magie fehlt. Zwar präsentiert auch er düster angehauchte Kontraste, in denen im Detail seine Verwurzelung im Horror (inklusive des obligatorischen Gastauftritts von „Tanz der Teufel“-Star Bruce Campbell) durchscheint, doch regiert in Oz diesmal weitgehend Langatmigkeit.

So kreist die abenteuerliche Geschichte in steter Wiederholung um die Läuterung des im Kern doch gutherzigen Ich-Menschen Oz. Der muss bald erkennen, dass die vermeintlich böse Glinda eigentlich die Gute und Evanora die Unterdrückerin ist. Mit rund 130 Minuten ist die standesgemäß naiv präsentierte Geschichte deutlich zu breit gewalzt und hangelt sich von einem selbstzweckhaften CGI-Schauwert zum nächsten. Unterhaltsam ist das allemal, insgesamt aber eben auch kaum mehr als ein kalkulierter Sinnesrausch, in dem die prominente Besetzung zum Spielball der visuellen Tricks verkommt. An Referenzen ans Original wird zwar nicht gespart, den zeitweisen Mangel an Witz und Magie im Zauberland wiegt das jedoch nicht auf.

Wertung: (5 / 10)

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