Die drei Musketiere (GB/USA/D/F 2011)

die-drei-musketiere-2011Alexandre Dumas’ Abenteuerklassiker „Die drei Musketiere“ diente zahlreichen Mantel- und Degen-Filmen als Vorlage. Doch nur selten wurde der Stoff derart affektiert und selbstverliebt aufbereitet wie in der Version von Paul W.S. Anderson. Der widmet das in 3D gedrehte Spektakel Produzent Bernd Eichinger, der mit Anderson erfolgreich bei der „Resident Evil“-Reihe kooperierte. Fraglos hätte der 2011 verstorbene Kinopatriarch auch diesen Versuch unterstützt, mit deutschen Geldern Unterhaltung von internationalem Format zu schaffen.

Am Format scheitert es denn auch nicht. Anderson ist ein bewährter Action-Regisseur, der stilisierte Choreographien von Nahkampf und Zerstörung im Sinne Hollywoods zu zelebrieren versteht. Nur lässt sein mit allerlei Gimmicks und modernen optischen Mätzchen aufgepepptes Vehikel jeglichen Charme vermissen. Geradezu tragisch ist es da um den Aufwand an Bauten, Kostümen und geschichtsträchtigen Kulissen (gedreht wurde u.a. in Würzburg und Bamberg) bestellt. Ganz zu Schweigen von der namhaften Besetzung, die in einer bemüht komischen Minirolle sogar Deutschlands Schauspielstar Til Schweiger auffährt.

Die an Dumas’ Werk angelehnte Geschichte startet betont cool und spektakulär: Die drei Musketiere Athos (Matthew Macfadyen, „Robin Hood“), Porthos (Ray Stevenson, „Punisher: War Zone“) und Aramis (Luke Evans, „Kampf der Titanen“) bergen unter tatkräftiger Mithilfe von Milady De Winter („Resident Evil“-Kampfamazone Milla Jovovich) die Pläne für ein angriffsstarkes Luftschiff. Doch die Schöne hintergeht das Trio und hat ihre Dienste längst an den eitlen Briten Buckingham (Orlando Bloom, „Fluch der Karibik“) verkauft. Drei Jahre später sind die Musketiere nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Gefordert werden die verbitterten Helden mit Auftauchen des jungen Draufgängers D’Artagnan (Logan Lerman, „Percy Jackson“), der in Paris selbst zum Musketier des unerfahrenen Königs Louis (Freddie Fox) werden will. Gemeinsam werden die Gefährten in die Intrige des durchtriebenen Kardinals Richelieu (Oscar-Preisträger Christoph Waltz, „Inglourious Basterds“) verstrickt, der den Regenten in einem heraufbeschworenen Krieg gegen England vom Thron stoßen will. Als Doppelagentin des Kardinals fungiert Milady, der sich die Musketiere ebenso gern in die Quere stellen wie Richelieus brutalem Gefolgsmann Rochefort (Mads Mikkelsen, „Casino Royale“).

Das üppig ausgestattete Abenteuer hat abseits der optischen Überzeugungskraft nichts, aber auch wirklich gar nichts zu bieten. Die Figuren verkommen zu überbetonten Sprechpuppen, denen abgesehen von der Dynamik der aufwändigen Actionszenen keinerlei Profil zugestanden wird. Hinzu kommt der peinliche Versuch, dem Geschehen durch kindischen Humor zusätzliche Lässigkeit zu verleihen. Die Rolle des tollpatschigen Dieners Planchet (James Corden, „Lesbian Vampire Killers“) hätte aber selbst ein Uwe Boll unmöglich schlechter figurieren können. So verpufft der Einsatz der namhaften Beteiligten in einem schrecklich einfältigen und trotz aller Rasanz nur leidlich unterhaltsamen Abenteuer, bei dem weniger in allen Belangen mehr gewesen wäre.

Wertung: (3,5 / 10)

 

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