Die Brücke – Transit in den Tod (Staffel 1) (S/DK/D 2011)

die-bruecke-staffel-1Auf der Öresundbrücke wird nach einem Stromausfall eine Frauenleiche gefunden. Weil diese genau auf der Grenze zwischen Dänemark und Schweden liegt, sind beide Staaten für die Untersuchung zuständig. Also müssen sich der Kopenhagener Kriminalermittler Martin Rohde (Kim Bodnia, „In China essen sie Hunde“) und seine Malmöer Kollegin Saga Norén (Sofia Helin, „Arn – Der Kreuzritter“) offiziell gemeinsam auf Spurensuche begeben. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn der Täter verfolgt einen perfiden, sorgfältig vorbereiteten Plan. Die Tote auf der Brücke ist da nur der Anfang. Allerdings handelt es sich bei dem grausigen Fund nicht um eine, sondern gleich zwei Leichen. Zumindest in Teilen.

Der Torso gehört einer Malmöer Stadträtin, die Beine einer Kopenhagener Prostituierten. Noch ehe das ungleiche Ermittler-Duo anfängliche Vorurteile überwinden und erste Puzzleteile zusammensetzen kann, wendet sich der Täter über den schnöseligen Journalisten Daniel Ferbé (Christian Hillborg) an die Öffentlichkeit und will, von der Presse „Wahrheitsterrorist“ getauft, über seine grausamen Taten auf fünf gravierende soziale Missstände hinweisen. Aber ist die sozialpolitische Aufrüttelung wirklich das Motiv des Mörders? Bis zur Klärung dieser Frage vergehen in „Die Brücke – Transit in den Tod“ bald 10 Stunden. Denn im Gegensatz zu den meisten Krimiserien widmen sich die Ermittler im Laufe der ersten Staffel nur einem Fall.

Den Machern gibt das ausreichend Raum, die Geschichte komplex zu gestalten und mit einer Fülle an Nebenfiguren und Wendungen zu füttern. Die Charakterisierung der Protagonisten kommt dabei nicht zu kurz. Reizvoll ist vor allem die ungewöhnliche Darstellung von Helins pflichtversessener und durchaus genialer Polizistin Norén, die im Gegenzug autistisch wirkt und jedes empathische Grundverständnis vermissen lässt. Wenn sie Sex will, reißt sie einen Kerl in der Disco auf. Oder Rohdes deutlich jüngeren Sohn aus erster Ehe, der sich Tag und Nacht an den Computer zurückzieht. Der immer sehenswerte Bodnia ist ihr ein notwendiger Gegenpol. Skurrile Wortwechsel inklusive.

Unlängst hat er sich sterilisieren lassen. Fünf Kinder von drei Frauen sind genug. Oder auch nicht. Seine Gattin ist wieder schwanger. Natürlich mit Zwillingen. Die vielen Kinder zeugen von Rohdes Triebhaftigkeit. Die rächt sich, als er einen Seitensprung mit der verwitweten Unternehmergattin Charlotte Söringer (Ellen Hillingsø) wagt. Auch sie ist Teil der Untersuchung. Einer der vom „Wahrheitsterroristen“ entblößten Missstände ist die Gleichgültigkeit gegenüber Obdachlosen. Im Internet zeigt er die langsame Ausblutung eines entführten Mittellosen. Eine Gruppe vermögender Wirtschaftsgrößen, darunter Söringer, soll das Leben des Mannes mit Lösegeld retten.

Ins Visier der Fahnder gerät der undurchsichtige Sozialarbeiter Stefan Lindberg (Magnus Krepper). Auch er steht für ein vielschichtiges Gefüge aus Nebenhandlungen und Protagonisten, das Dank guter Darstellerleistungen weitgehend überzeugend bleibt. Nur mit den Schicksalen von Lindbergs Schwester und der jungen Ausreißerin Anja Björk (Fanny Ketter) schleicht sich zwischenzeitliche Plattheit ein. Dass hinter den Taten mehr steckt, als ursprünglich angenommen, steht für Rohde (und den Zuschauer sowieso) fest. Auch seine Vergangenheit soll am Ende eine Rolle spielen. Zwar entspricht die Auflösung letztlich nicht vollends der Qualität des Vorlaufs, „Die Brücke – Transit in den Tod“ ist aber dennoch packend und durch seine exzentrisch wollüstigen Ermittler zudem angenehm eigenständig geraten. Fortsetzung erbeten!

Wertung: (7,5 / 10)

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