Dick & Doof sprechen Deutsch: Spuk um Mitternacht (USA 1930)

dick-und-doof-sprechen-deutsch-spuk-um-mitternachtMit dem Ende der Stummfilmzeit erschwerte sich die internationale Vermarktung von Filmwerken beträchtlich. In Deutschland, einem der wichtigsten euopäischen Märkte, versuchte man es anfangs mit Texteinblendungen, die einfach über die sprechenden Schauspieler gelegt wurden. Die Sensation des Tonfilms machte diese Zerstückelungspraktik kurzzeitig vergessen, doch in Hollywood grübelte man eifrig über Alternativen, um die umsatzkräftigen Breiten in Übersee nicht zu verprellen.

Weil Synchronfassungen technisch noch nicht zufriedenstellend umsetzbar waren, schaute man sich die Lösung schließlich aus England ab. Dort wurden Filme einfach in verschiedenen Sprachversionen gedreht und den jeweiligen Märkten in der (oft gebrochenen) Landessprache zugeführt. Das Ende dieser Methode – für Kinohistoriker bereits aufgrund der Vergleichsmöglichkeit von großem Interesse – kam jedoch schnell. Während das fremdsprachige Kauderwelsch amerikanischer Schauspieler bei Komödien eventuell noch für einen unterhaltsamen Mehrwert sorgte, fand der Spaß bei ernsten Werken rasch ein Ende.

Auch Stan Laurel und Oliver Hardy, hierzulande bekannter als „Dick & Doof“, drehten drei Filme in unterschiedlichen sprachlichen Varianten. Der nun erstmals auf DVD zugänglich gemachte „Spuk um Mitternacht“, ein Zusammenschnitt der beiden Kurzfilme „Berth Marks“ (1929) und „The Laurel-Hardy Murder Case“ (1930) galt lange als verschollen. Bis er 2004 in einem Moskauer Archiv wiederentdeckt wurde. Das Filmmuseum München hat die altersbedingt beschädigte und zudem gekürzte Fassung auf Basis einer Zensurkarte mit Szenen der amerikanischen und spanischen Sprachversion rekonstruiert. Für die komplette Aufbereitung des verschmutzten Bildmaterials fehlten jedoch die Mittel.

In seiner später synchronisierten Fassung ist „Spuk um Mitternacht“ hinreichend bekannt. Die beiden klassischen Komiker aber beim Ringen mit der deutschen Sprache erleben zu können, ist wahrlich ein extraordinäres Erlebnis. Der gewohntermaßen von Hal Roach produzierte 38-Minüter zeigt Stan und Olli auf der turbulenten Reise nach Chicago, wo der liebenswerte Tölpel Stan die millionenschwere Erbschaft eines unbekannten Onkels antreten will. Bereits die Anreise per Zug erweist sich als heillos chaotisch. Auf dem Anwesen des mutmaßlich ermordeten Verwandten fahndet die Polizei unter der verschlagenen Erbgemeinschaft längst nach dem Mörder.

Mit dem gewohnt umwerfenden Slapstick und Anleihen beim Gruselkino macht der Film großen Spaß. Neben der rekonstruierten deutschsprachigen Version beinhaltet die DVD auch die englische sowie die spanische und deutsch synchronisierte Fassung. Im Bonusmaterial findet sich zudem der erwähnte Kurzfilm „Berth Marks“, der in unseren Gefilden „In einem Bett“ betitelt wurde. Abgerundet wird das Zusatzprogramm von Trailern und einem informativen Interview mit Stefan Drößler vom Filmmuseum München. Kino-Historie und Unterhaltung gehen bei diesem empfehlenswerten Sammlerschätzchen somit Hand in Hand.

Wertung: (8 / 10)

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