Der Wixxer (D 2004)

der-wixxerDie Besonderheit anachronistischer Anwesen wie dem Schloss Blackwhite Castle liegt in ihrer schwarz-weißen Kolorierung. Die taucht einen nicht unerheblichen Dunstkreis unmittelbarer Umgebung in permanente Farblosigkeit. In eben diese wenig heimelige Abgeschiedenheit verschlägt es untrüblicherweise das ostdeutsche Touristenpaar Doris (Anke Engelke) und Dieter (Olli Dietrich). Als das streitfreudige Ehepaar zu allem Überfluss Zeuge des Mordes am Mönch mit der Peitsche wird, nimmt die Hatz auf ein kriminelles Meisterhirn, kurz der Wixxer genannt, seinen Lauf. Jener will den Thron der Londoner Unterwelt für sich behaupten und räumt eigenhändig sämtliche Kontrahenten aus dem Weg – zur Not getarnt als Günther Jauch beim Fernsehinterview mit dem Frosch mit der Maske.

Im Auftrag von Scotland Yard ermitteln der stets alkoholisierte Chief Inspector Very Long (Oliver Kalkofe) und sein vorschriftentreuer Assistent Even Longer (Bastian Pastewka). Die Spur führt zum Blackwhite Castle und dessen Besitzer, dem undurchsichtigen Earl of Cockwood (Thomas Fritsch). Doch gestaltet sich die Jagd nach dem mysteriösen Phantom zusehends schwieriger. Zudem erweitert sich der Kreis potenzieller Verdächtiger durch die flatulenzfreudige Miss Drycunt (Eva Ebner) und den pflichtversessenen Butler Hatler (Christoph Maria Herbst), der verblüffende Ähnlichkeit zu einem totalitären Diktator des vergangenen Jahrhunderts aufweist stetig. Mit steigender Leichenzahl und zunehmender Ratlosigkeit gewinnt die Entschlüsselung einer Frage zunehmende Gewichtung: Wer ist der Wixxer?

Aus welchem Grunde sollte es Sinn ergeben, das filmische Erbe des Edgar Wallace zu persiflieren, ein absonderliches Krimi-Subgenre, dessen eigentümlicher Reiz aus der unfreiwillig komischen Aufbereitung der ewig gleichen dramaturgischen Klischees resultiert? Eine Frage, die sich die Macher der zotigen Kino-Klamotte „Der Wixxer” besser gestellt hätten, bevor sie ihren unausgegorenen Sud über die Köpfe des Publikums ergossen haben. Denn Tobi Baumanns inszenatorisch vornehmlich einwandfreies Regiedebüt verlegt sich in erster Linie auf die plumpe Abkupferung der humoristischen Ausrichtung des Gespannes Zucker/Abrahams/Zucker („Die nackte Kanone”). Jedoch gelingt es Initiator Oliver Kalkofe und seinem namhaftem Ensemble kaum, die endlose Folge kinematographischer Verballhornungen und dröger Wortspiele zu einer konsequent liebevollen Hommage zu formen.

Stattdessen präsentiert „Der Wixxer” eine weitgehend substanzlos episodische Verkettung meist uninspirierter Belanglosigkeiten. Was den kurzweiligen Streifen vor den Untiefen völlig verzichtbarer Abfallprodukte deutsch-deutscher Unterhaltungskultur bewahrt, ist neben manch darstellerischem Glanzpunkt allein die aufwendige Gestaltung der detailverliebten Spielorte. Unbeholfen anmutende Reminiszenzen an „E.T.” und „Matrix” sowie zahllose Anspielungen an die 32 köstlich adaptierten Auswüchse des Edgar Wallace-Kompendiums prägen die Beschaffenheit des Films. Doch eröffnen sich letztere in ihrer überbordenden Banalität sogar denjenigen Zuschauern, denen die kauzigen Filme um Joachim Fuchsberger, Klaus Klinski, Gerhard Fröbe und Eddie Arent völlig unbekannt sind. Überdies erweist sich Hauptakteur Oliver Kalkofe als wenig tauglich, den Film als schmutzverkrusteter Hauptakteur zu stemmen.

Mehr Überzeugungsarbeit leisten da schon Bastian Pastewka („Der Zimmerspringbrunnen”), Olli Dietrich („Dittsche”) und Thomas Fritsch („Rivalen der Rennbahn”), wenngleich ein Löwenanteil der Gags aufgrund altersbedingter Verstaubung bereits im Ansatz verpufft. In der Rolle des Butlers Hatler brilliert jenseits von Anstand und gutem Geschmack Christoph Maria Herbst („Stromberg”), während Cameoauftritte von Günther Jauch, den No Angels und Ost-Schlagershowikone Achim Mentzel für erhöhte Heiterkeit am Rande sorgen. Ambitioniert in Szene gesetzt, doch ohne humoristische Homogenität versehen, weiß „Der Wixxer” im Rahmen seiner überschaubaren Spielzeit durchaus zu gefallen. Nicht zuletzt auch, weil sich gestandene Mimen des Schlages Wolfgang Völz („Der grüne Bogenschütze”) mit sichtlicher Freude selbst karikieren.

Auf der Gegenseite jedoch postiert sich ein gänzlich verschenkter Mittelteil und der uncharmante Plagiatismus amerikanischer Persiflier-Standarten. Obendrein ohne bissige Pointen staffiert, bewahren auch die amüsante Revueeinlage und eine „spektakuläre” Verfolgungsjagd per Fahrrad Kalkofes „Wixxer” nicht vor dem freien Fall Richtung Belanglosigkeit. Werke wie „Der Hexer”, „Das Gasthaus an der Themse” oder „Der Frosch mit der Maske” sind zweifelsohne gefeit vor temporärem Verfall. Für „Der Wixxer” gilt dies jedoch nicht.

Wertung: (4 / 10)

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