Der weiße Apache – Die Rache des Halbbluts (I/E 1986)

der-weisse-apacheDa ist er wieder, der unrühmliche Italo-Trash, bei dem Gewalt gepredigt und Intelligenz mit Füßen getreten wird. Beim Euro-Western-Nachzügler „Der weiße Apache – Die Rache des Halbbluts“ erweisen sich die Regisseure Bruno Mattei („Scalps“) und Claudio Fragasso („Monster Dog“) als Spezialisten für heftigen Scheißdreck mit moralischer Bedenklichkeit. Trotz reichlich Leerlauf besteht ihr roher wie geistloser Reißer nur aus faden Entschuldigungen für sadistische Wundzeichnung. Erzählt wird keine Geschichte, sondern eine Parabel auf die Grausamkeit des weißen Mannes. Die jedoch schärft einzig den Blick für den Selbstzweck ihrer ausufernden Brutalität.

Davon serviert wird reichlich, beispielsweise gleich zum Auftakt, wenn Banditen einen Siedlertreck überfallen und die Reisenden ermorden. Dabei verdeutlicht der Film neben erwähnter Grausamkeit unverzüglich ein weiteres wesentliches Attribut, nämlich das grauenhafte Schauspiel. Wo Chargen in solch simpel gestrickten B-Streifen normalerweise dick auftragen, geht bei dieser Besetzung immer noch ein Anstrich mehr. Die Mimik wird zum Wettbewerb grotesker Fratzen, was Hauptdarsteller Sebastian Harrison („Sodomas tödliche Rache“) ausnimmt, weil der nur aus der Wäsche glotzt oder in ähnlich kreativer Verneblung Kriegsschreie ausstößt.

Er gibt den Spross jener gelynchten Siedler, dem die schwangere Mutter, nachdem Indianer den Outlaws das Handwerk gelegt haben, noch das Leben schenken kann, bevor sie selbst dahinscheidet. Und weil der Häuptling die Waise als seinen zweiten Sohn annimmt, wächst das Kind mit dem wallenden blonden Haar unter dem Namen Leuchtender Stern heran. Mit dem Halbbruder Schwarzer Wolf verbindet ihn eine enge Beziehung, die sich in Hass verkehrt, als sich die schöne Squaw Aufgehende Sonne (Lola Forner, „Der rechte Arm der Götter“) zwischen sie stellt. Im Streit tötet Leuchtender Stern den Rivalen und wird vom gebrochenen Ziehvater zur Sinnstiftung in die Welt der Weißen geschickt.

Dort geht es selbstredend nicht nur rau, sondern auch hochgradig rassistisch zu. Der weiße Indianer gerät dem Sklavenhändler und passionierten Rothauthasser Ryder (Charly Bravo, „…und Santana tötet sie alle“) in die Quere, der mit Vorliebe brandschatzt und vergewaltigt. Als das Dorf von Leuchtender Stern, mehr noch die sein Kind erwartende Aufgehende Sonne auf der Abschussliste des Unmenschen gerät, greift der Weltenbummler zu harten Bandagen. Das führt natürlich zu mehr Gewalt und einem lachhaften Showdown, bei dem der Gejagte mit gezücktem Speer von einem Bergvorsprung auf seine Gegner hüpft.

Neben den schundigen Darstellerleistungen und der bräsigen Regie lassen vor allem die geistlosen Dialoge an der Zurechnungsfähigkeit der Macher zweifeln. Mit Weisheiten des Schlages „Der Wolf wird zum Hund wenn er die Berge verlässt“ wird vielleicht noch der Kaffeesatz in Erstaunen versetzt, mündige Bürger raufen sich ob solch ausgemachten Unsinns höchstens die Haare. Die grassierende Unlogik macht es nicht besser. Wieso Leuchtender Stern als unter Indianern aufgewachsener Weißer über die eingebaute Sprachgewandtheit beider Völker verfügt, bleibt ein Geheimnis. Sind ja alles Italiener, könnte die Antwort lauten. Doch selbst das erklärt manches, längst aber nicht alles.

Wertung: (2 / 10)

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