Der stählerne Adler (USA 1986)

der-staehlerne-adlerDie Neunzehnachtziger waren ein politisch nonchalantes Jahrzehnt. Kriege konnten noch im Kino gewonnen und die Systemfeinde in perfider Diffamierung über die Unterhaltungsindustrie identifiziert werden. Diese ideologische Mobilmachung, insbesondere gegen Russen und Araber, setzte nicht auf Subtilität, sondern die volle Breitseite aus Pathos, Nationalstolz und Heldenverehrung. „Rambo 2“ hatte gezeigt, wie leicht sich Propaganda mit dem Regelwerk des modernen Actionfilms verknüpfen ließ. Nur war der überlebensgroße Held trotz patriotisch unerschütterlicher Projektionsfläche nicht das Spiegelbild des kleinen Mannes.

Abhilfe schufen die Fliegerfilme des Jahres 1986. Während sich „Top Gun“ aber damit begnügte, die Werbetrommel für die US-Luftwaffe zu rühren, suhlte sich Sidney J. Furies „Der stählerne Adler“ unverhohlen in rassistischen Feindbildern und glättete diese durch die Heroisierung der Jugend. Sprüche wie „Damals hatte Schlaffi Carter das Sagen. Aber jetzt sitzt Sheriff Reagan im Weißen Haus. Der schiebt den Schmalspurdiktatoren ihre eigenen Raketen in den Hintern.“ zeigen die Indoktrination der heranwachsenden Zielgruppe und ihre Bindung an erzreaktionäre Werte und Moralvorstellungen.

Den Teenager-Helden Doug Masters gibt Jason Gedrick („Geboren am 4. Juli“), dessen Vater, Kampfpilot Tim Thomerson („Trancers“), wegen der vermeintlichen Verletzung territorialer Lufträume über einem nicht näher spezifizierten „Beduinenstaat“ abgeschossen – und in einem (Schau-)Prozess zum Tode verurteilt – wird. Der Sohnemann, Fliegertalent mit Bildungsrückstand, will sich mit der drohenden Exekution des Erzeugers und der Tatenlosigkeit von Militär und Politik natürlich nicht abfinden und unternimmt mit dem schwarzen Reservisten-Colonel ´Chappy´ Sinclair (erhielt für „Ein Offizier und Gentleman“ 1983 den Oscar: Louis Gossett Jr.) einen waghalsigen Rettungsversuch.

Die peinliche Patrioten-Posse unterlegt Kriegs-Action mit Rock-Soundtrack und feiert neben militantem Aktionismus die rebellische Forschheit der Jugend. Wie leicht diese den Militärapparat unterwandern und Doug samt Chappy unbemerkt Richtung Feindesland schicken kann, ist schlicht hanebüchen, passt aber zu einem Film, in dem der Truppenführer des Schurkenstaates jedes Klischee eines Bananenrepublik-Diktators erfüllt. Dazu darf Chappy als moderner Onkel Tom verächtlich über die Fanatiker herziehen, in der martialischen Rettungsmission vom Himmel geholt werden und kurz vor Schluss märchenhaft wieder auferstehen. Das Happy End ist selbstverständlich und Befehlsverweigerung schützt vor Beförderung nicht! Strohdumm und einfach zum Kotzen dieser Film.

Wertung: (3 / 10)

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