Der rote Baron (D 2008)

der-rote-baronSelten werden Filme derart einhellig verrissen wie „Der rote Baron“. Und nur selten ist all die Negativkritik so berechtigt. Nikolai Müllerschön, Autor und zugleich Regisseur des heuchlerischen Weltkriegsdramas, zeigte sich stolz über die Privatfinanzierung des 18 Millionen Euro teuren Rührstücks. Nicht ein Cent entstammte der Filmförderung. Sollte in den Gremien etwa Vernunft eingekehrt sein? Mit großen Namen und noch größerem Aufwand wurde die Geschichte des Freiherren Manfred von Richthofen auf die Leinwand gebracht. Doch halt, eine Geschichte wird eigentlich gar nicht erzählt.

Zumindest keine geschlossene, keine Zusammenhängende. Dafür wird zu viel ausgeklammert, sind die Sprünge, gerade die zwischen Leben und Tod, einfach viel zu groß. Groß, mehr noch großzügig, ist auch der Umgang mit historischen Fakten. Sicher, der wie ein Popstar gefeierte und von seinen Gegnern zugleich bewunderte wie gefürchtete Kampfflieger, der während des Ersten Weltkriegs 80 Abschüsse verbuchen konnte, mag gewisse Freiheiten und besonderen Luxus genossen haben. Schließlich diente er im verlustreichen Schlachtengetümmel als propagandistische Gallionsfigur, eine Ikone der Streitkräfte, zu der gemeine Gefreite buchstäblich aufsehen konnten.

Was das Flieger-Ass jedoch nicht war ist pazifistisch veranlagt. Im Film wird Richthofen, gespielt von Matthias Schweighöfer („Soloalbum“), als Sports- und Ehrenmann gezeigt, der dem abgeschossenen Gegner auch mal aus luftiger Höhe einen Kranz ins offene Grab wirft. Die Verbundenheit zum Feind ist keinesfalls abwegig, allein aufgrund der Adelszugehörigkeit vieler Piloten. Der um Fairness buhlende Wettstreit am Himmel aber, der sich über das bloße Töten des Gegenübers hinwegsetzt, ist geradewegs absurd. Darüber hinaus verharmlosend. Für die Schrecken des Krieges ist daher Krankenschwester Käte (Lena Headey, „300“) zuständig.

Mit korrekt sitzendem Haar und französischem Akzent offenbart sie Richthofen die Gräuel des Stellungskrieges. Die wohl lachhafteste Szene lässt sie bei Nacht die Lichter im dunklen Feldlazarett anknipsen, was auch dem sie umgarnenden Piloten endlich die Augen für zerfetzte Körper frei macht. Dramaturgisch ist das haltlos, nicht selten geradewegs dümmlich, wie der Gesamtfilm ein Flickenteppich kaum zueinanderfindender Impressionen und Ansichten. Die prominente Nebenbesetzung, Til Schweiger („Keinohrhasen“) als Fliegerkumpan Voss, Joseph Fiennes („Luther“) als gegnerische Charge des traurigen Blickes, macht es nicht besser. Das Bild bleibt verklärt, die sanfte Heldenverehrung ein friedfertiges Loblied von pauschaler Einfalt.

Wertung: (3 / 10)

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