Der Pornograph (F/CAN 2001)

der-pornographDen Nagellack der Aktrice findet er ekelhaft. Und beim Fick vor der Kamera soll sie nicht so laut stöhnen, den Orgasmus eher durch genießerische Stille kenntlich machen. Zum großen Finale soll sie das Sperma schlucken – um die tiefe Emotionalität der Szene auszuloten. Nein, als zeitgemäß sind die Vorstellungen und Ansprüche des alternden Porno-Regisseurs Jacques Laurent nicht zu erachten. Die Industrie ist schnelllebig geworden, an Kunst ist niemand Interessiert. Erst recht nicht der Produzent. Er fordert Nagellack, lautes Stöhnen und den Saft ins Gesicht. Bums, Szene im Kasten, Film fertig.

„Der Pornograph“ ist ein Werk über Resignation. Im Titel schürt es die Erwartung des Verruchten, aber auch die Ahnung des ausbleibenden Skandals. Die Ejakulation eines Mannes im (Kunst-)Kino erregt längst keinen großen Anstoß mehr. Und ein Film über die Herstellung, nein, den sinnkriselnden Hersteller von Pornos, verlangt doch irgendwie auch nach pornographischem Bildmaterial. Für das wurden Profis verpflichtet. Ovidie beispielsweise, die über ihr Leben vor der Kamera bereits Bücher verfasst hat. An ihr scheinen die in der bruchstückhaften Geschichte diskutierten Themen abzuprallen.

Aber Bertrand Bonellos („Alchimie der Liebe“) Charakterstudie dreht sich um Laurent. Der, gespielt von Truffaut-Veteran Jean-Pierre Léaud („Geraubte Küsse“), war in den revolutionären Siebzigern ein Regisseur mit gutem Ruf. Damals, so sagt er, waren Pornos noch subversiv, eine Kunstform, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten konnte. Heute geht es nur um die schnelle Befriedigung. Die der Produzenten und die des Publikums. Gedreht wird digital, mit geringen Budgets. Lust darauf hat er eigentlich keine. Aber er muss wieder drehen, des Geldes wegen. Und wenn er nicht gerade Szenen arrangiert, breitet er im Off sein Privatleben aus.

Da ist die verhaltene Näherung an den nun 17-jährigen Sohn, der den Vater verließ, als er von dessen Profession erfuhr. Oder die Lebensgefährtin, die er sitzen lässt, um der Stagnation die unmittelbare Zeugin zu nehmen. Mit seinem unkonventionellen Kontext und der elegischen, von abrupten Jump Cuts geprägten Bildsprache nähert sich Bonello dem Geist der Novelle Vague. Aber sein leises Drama wirkt derart gekünstelt und mit kreativem Anspruch aufgeheizt, dass am Ende kaum mehr bleibt als ein melancholischer Hauch. Und für den hätte es beileibe keiner metaphorischen Hardcore-Anlehnung bedurft.

Wertung: (5 / 10)

 

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