Der Omega-Mann (USA 1971)

der-omega-mannEs mutet seltsam an, wenn der erklärte Waffenlobbyist Charlton Heston („Planet der Affen“) in „Der Omega-Mann“ den Dokumentarfilm „Woodstock“ mitspricht. Dazu noch sein Kommentar: „They sure don´t make pictures like that anymore.” Wie könnten sie auch? Anno 1975 wurden bakteriologische Kampfstoffe freigesetzt und rafften in kurzer Zeit fast die komplette Menschheit hin. Zwei Jahre später wähnt sich der von Heston verkörperte Robert Neville als einziger Überlebender der Katastrophe. Zumindest normal belassener, denn da sind noch die entstellten Mutanten, die nach Einbruch der Dunkelheit Jagd auf ihn machen.

Boris Sagals („Das Tagebuch der Anne Frank“) düstere Science-Fiction lebt von der Gänsehautatmosphäre des Szenarios. Zur Bekämpfung der Langeweile rast Neville per Sportwagen durch die Straßenschluchten einer leergefegten Großstadt. Ein Apartmenthaus dient ihm als luxuriöse Bastion gegen das fahle Gesocks, das da des Nachts aus dem Untergrund kriecht. Dies jedoch, entstellt, lichtempfindlich und religiös motiviert, sieht sich in ganz anderer Position. Angeführt von Matthias (Anthony Zerbe, „Papillon“) zieht die familiäre Gemeinschaft gegen den tagaktiven Einzelgänger zu Felde, steht er doch für jene Technik, die die Welt dereinst ins Verderben stürzte.

Die erste Hälfte, in der die Apokalypse anhand von Rückblenden nachgezeichnet wird, überzeugt durch Hestons stoische Zurückgezogenheit und den Kampf gegen die vermummten Fanatiker. Er selbst überlebte, indem er sich nach einem fatalen Hubschrauberabsturz den Impfstoff injizierte, der eigentlich den Fortbestand seiner Art garantieren sollte. In starken Bildern wird die Utopie erfahrbar, wenn der lässige Hippie-Soundtrack auch etwas deplatziert wirkt. Als Neville schließlich in die Fänge der Monstren gerät, wird seine Exekution durch das Eingreifen von Lisa (Blaxploitation-Vorgriff Rosalind Cash, „Klute“) und Dutch (Paul Koslo, „Das Gesetz bin ich“) unterbunden.

Von da an geht es mit dem „Omega-Mann“ bergab. Der Sarkasmus wird in Nevilles Bemühungen verwässert, der Landkommune seiner Retter ein heilendes Serum zu kredenzen. Mit der schwarzen Lisa geht er eine für das Produktionsjahr 1971 durchaus gewagte Beziehung ein. Die aber ist zum Scheitern verurteilt, weil sie sich ohne jede Not in einen von Matthias Sektenanhängern verwandelt. Die bislang populärste Verfilmung von Richard Mathesons Roman „I am Legend“ ruckelt so einem wenig packenden Finale entgegen, bei dem Heston in kruder Symbolik als Heilsbringer der Menschheit geopfert wird. Eine stimmige und eine durchwachsene Hälfte machen einen ansehnlichen, wenn auch deutlich angegilbten endzeitlichen Zukunftsentwurf.

Wertung: (7 / 10)

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