Der New York Ripper (I 1982)

Digital StillCameraWas haben Godzilla, Jason Voorhees uns die Gremlins gemeinsam? Richtig, sie alle haben neben Tokyo, dem Camp Crystal Lake und der typischen amerikanischen Kleinstadt XY auch mal in New York ihr Unwesen getrieben! Doch kam ihnen damit einer zuvor: „Der New York Ripper“ (Tusch!)! Der gialloeske Killer aus Lucio Fulcis Möchtegern-Klassiker von 1982 sticht nicht nur durch seine subtile Misogynie aus der Masse der Invasoren heraus, ein weiteres Attribut verhilft ihm außerdem zur Ehre, nämlich von allen der bescheuertste zu sein. Oder gab es schon mal zuvor oder auch danach einen Schlitzer, der beim Morden wie Donald Duck herumquakt?

Mit der Aufgabe, den frauenverachtenden Wahnsinnigen zur Strecke zu bringen, wird Inspektor Fred Williams (Jack Hedley, „James Bond – In Tödlicher Mission“) beauftragt. Dass der Meuchelmörder aus Entenhausen eine Aversion gegen das weibliche Geschlecht mit sich herumschleppt, ist nicht von der Hand zu weisen, betrachtet man seinen modus operandi genauer: eine abgebrochene Flasche mitten in die Vulva und eine Rasierklinge mitten durch die Brustwarze. Der überforderte Inspektor, der zum Abschalten gerne mal die Dienste der Dirne Kitty (Daniela Doria, „Ein Zombie hing am Glockenseil“) in Anspruch nimmt, benötigt beim erstellen des Täterprofils dringend eine kompetente(re) Fachkraft, die sich in Prof. Dr. Paul Davies (Paolo Malco, „Das Haus an der Friedhofsmauer“) findet, der zum Abschalten gerne mal mit einem Schachcomputer spricht und Schwulenmagazine durchblättert.

Doch auch die Kollegen von der Forensik bringen Unglaubliches ans Licht. Denn nur ein vermeintlicher Tropfen des Blutes des Täters genügt ihnen, um feststellen zu können, dass der Unhold um die 30 Jahre alt sein dürfte und aus New York stammen muss (!) – und das liebe Freunde, Jahrzehnte bevor ein gewisser Horatio Caine solche Glanzleistungen allein durch das Abnehmen seiner Sonnenbrille vollbringt. Nebenbei zeigt Fulci auch noch am Beispiel der attraktiven Jane (machte sich schon in „Zombie Holocaust“ nackig: Alexandra Delli Colli) wie reiche verheiratete, aber sexuell unzufriedene New Yorkerinnen ihre Wollust zu befriedigen wissen. Im schmuddeligen Pornokino um die Ecke gibt frau sich erstmal der Masturbation hin, doch erfahren wir auch, dass sie auch vor dem körperlichen Akt mit völlig Fremden nicht halt macht.

Dass dies Gebaren Jane zum prädestinierten Opfer des Rippers macht, verwundert sicherlich niemanden. Weshalb aber ihr sexueller Selbstfindungstrip einen nicht geringen Teil der Handlung einnimmt, aber letztendlich keine gewichtige Rolle zu spielt, da sie lediglich ein weiteres Opfer des Mörders darstellt, wird die Welt wohl nie erfahren dürfen. All das hat den deutschen Sittenwächtern aber genügt, um Fulcis schwachen Whodunnit-Thriller wegen Gewaltverherrlichung zu beschlagnahmen. Eine latente Frauenfeindlichkeit kann ihm tatsächlich angehängt werden – der Killer rächt sich am lüstern-gewissenlosen weiblichen Geschlecht, weil er und die kranke Tochter von der Frau bzw. Mutter verlassen wurden.

Für die Donald Duck-Imitation des Mörders, die in der deutschen Synchronfassung gar um einiges nerviger ausfällt als in der Originalversion, gibt es am Schluss zwar eine plausible wie lächerliche Begründung, was aber nichts daran ändert, dass das Gequake tierisch am Nerv des Zuschauenden zu zerren weiß. Hat man den Film einmal gesehen, wird man sich nach einiger Zeit sicherlich an viel nackte Haut und den typischen derben Fulci-Splatter erinnern – an einer Stelle wird „Der andalusische Hund“ und die berühmte Augenszene reminisziert. Alles andere verdient es nicht unbedingt haften zu bleiben. Dass Lucio Fulci sein Publikum besser unterhalten kann, beweist unter anderem sein Zombie Rip-Off „Woodoo – Schreckensinsel der Zomies“. Und der liest sich sogar um einiges besser als „Der New York Ripper“!

Wertung: (3 / 10)

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