Der Nebel (USA 2007)

der-nebelAls einer der wenigen Regisseure fing Frank Darabont den Geist von Stephen Kings literarischen Vorlagen auch auf der Leinwand ein. „Die Verurteilten“ und „The Green Mile“ zählen zu den gelungensten Adaptionen des Autors, wenn diese auch mehr dramatischen Charakterstudien denn Gänsehaut schürendem Horror entsprechen. „Der Nebel“ ist Darabonts dritte King-Verfilmung, zu der er wiederum auch das Drehbuch beisteuerte. Diesmal jedoch überwiegt das Fantastische, wenn sich im aufziehenden Dunst das Ende der Menschheit offenbart.

Vielleicht liegt es an dieser Übervorteilung des bloßen Nervenkitzels, dass die kammerspielartige Schreckensvision den oft beschworenen Qualitäten des Filmemachers nicht gerecht werden will. Darabont dehnt Kings 120-Seiten-Novella auf gut zwei Stunden blanken Horror und menschliches Melodram. Wirklich funktionieren will keine der beiden Wesensrichtungen, allein die aufbrechenden Konflikte unter den in einem Supermarkt eingeschlossenen Kleinstädtern bleiben auf gesellschaftliche Blaupausen und soziale Klischees beschränkt.

Thomas Jane, der auch in der mauen King-Verwurste „Dreamcatcher“ mitwirkte, ist Familienvater David Drayton, der mit seinem Sohn nach einem schweren Sturm Vorräte besorgen will. Die undurchsichtige Nebelwand, die bald darauf die ganze Region einhüllt, schürt Ängste, die durch Schreckensberichte über mysteriöse Attacken noch verstärkt werden. Als ein Ladengehilfe von vielzahnigen Tentakeln ins Nichts gezerrt wird und die Situation zunehmend aussichtlos erscheint, erntet die alttestamentarische Fanatikerin Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden, „Mystic River“) regen Zuspruch.

Als die Verteidigung der Geschäftsräume immer mehr Menschenleben kostet, wollen die religiös Aufgeheizten ihr Überleben durch Menschenopfer sichern, was David auf die Barrikaden treibt. Ob der Nebel tatsächlich die Strafe eines rachsüchtigen Gottes nach biblischem Vorbild oder doch nur ein außer Kontrolle geratenes Militärexperiment darstellt, bleibt offen. Raum für Spekulationen hingegen gibt es reichlich, was wohlige Spannung injiziert, Kings Szenario jedoch um ein bitterböses Finale erweitert, das in ihrem Nihilismus etwas gewollt wirkt und trotzdem nachklingt.

Der Umgang mit der endzeitlichen Extremsituation verfügt über psychologische Intensität, die mit trivialen Verhaltensmustern und durchwachsenem Computergezücht konfligieren. Darabonts Fantasy-Drama bleibt ein zweischneidiges Schwert zwischen Beklemmung und Banalität, atmosphärischem Horror und strapaziöser Weltuntergangsbeschwörung. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen, allen voran bei den Dialogen und Charakterzeichnungen, die der Formelhaftigkeit und Unlogik einfach zu viel bieten. Manches Grauen ist zwischen Buchdeckeln einfach besser aufgehoben.

Wertung: (5 / 10)

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