Der Mann der niemals aufgibt (USA 1977)

der-mann-der-niemals-aufgibtDie Überführung eines unwichtigen Zeugen für einen unwichtigen Prozess erfordert einen unwichtigen Polizisten. Der heißt Ben Shockley (Clint Eastwood) und erweckt in seinem ungepflegten Äußeren – nicht zu vergessen die Alkoholfahne – kaum den Eindruck staatsbeamtlicher Unverzichtbarkeit. Also betraut ihn der neue Vorgesetzte mit dem Auftrag, Häftling Gus Malley aus Las Vegas abzuholen und pünktlich vor Gericht in Arizona abzuliefern. Shockley staunt nicht schlecht, als sich der Gefangene als Frau (Sondra Locke, „Dirty Harry kommt zurück“) entpuppt – und zudem gegen die Mafia aussagen soll, was den Routinejob zum Himmelfahrtskommando macht.

Clint Eastwood macht wieder den „Dirty Harry“. Wenn auch in der verlotterten Variante. Vom angestammten Image konnte und wollte sich der Mime nicht lösen, als er 1977 „Der Mann der niemals aufgibt“ wurde und zugleich seinen sechsten Film inszenierte. Der folgt recht konventionellen Mustern, lebt aber von Eastwoods Präsenz und der packenden Action. Bereits auf dem Weg zum Flughafen muss Shockley die ersten Killer abwehren. Also verstecken sie sich im Haus der Zeugin, das, als der Cop den (natürlich) korrupten Vorgesetzten Blakelock (William Prince, „Achterbahn“) über ihren Aufenthaltsort informiert, von einem Polizeikommando in Trümmer geschossen wird.

Mit knapper Not entkommt das ungleiche Duo und setzt den Weg zum Gericht auf beschwerlichem Wege fort. Dabei schleichen sich kleine Längen ein, die Eastwoods längst zum Markenzeichen gewordener Gemütsruhe als Regisseur geschuldet bleiben. Dazu gesellen sich ironische Anflüge, die das Jonglieren mit dem Zynismus und der Gefühlswelt des toughen Bullen mit sich bringen. Denn im Gegensatz zur Paraderolle des Harry Callahan darf Shockley Emotionen zeigen und sich gar in eine Liebesgeschichte mit der zu beschützenden Zeugin verstricken. Schwer fiel ihm das nicht, war Eastwood doch auch im wahren Leben mit Filmpartnerin Locke liiert.

Die Zerstörung des Wohnhauses aber reicht noch nicht aus. Also muss auf dem direkten Weg zum Gerichtsgebäude ein Spießrutenlauf durchs nächste Polizeikommando erfolgen, bei dem ein notdürftig gepanzerter Passagierbus als bedingt standhafter Schutzwall fungiert. Der größte Unterschied zwischen „Dirty Harry“ und „Der Mann der niemals aufgibt“ besteht in der Ermangelung des Übermächtigen. Shockley ist kein Superbulle, sondern nur ein resignierender Dickkopf. Ob er die Mission wirklich überlebt bleibt lange genug vage, um die Spannung konstant zu halten. Damit ist der Film wie sein unfreiwilliger Held – angestaubt und doch ein gestandenes Vergnügen aus der Retro-Ecke.

Wertung: (7 / 10)

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