Der Knochenmann (A 2009)

der-knochenmannAm Ende war die Liebe Schuld. Aber das wusste der Brenner längst. Obwohl er den Polizeiberuf doch längst hinter sich gelassen hatte. In „Der Knochenmann“, der dritten Krimi-Verfilmung nach Wolf Haas, ist der lakonische Anti-Held ins Inkassogeschäft gewechselt. Sein jüngster Auftrag führt ihn in die Provinz der östlichen Steiermark, wo er den Wagen des säumigen Künstlers Horvath beschaffen soll. Vor Ort, genauer in der Brathendl-Stube Löschenkohl, wird er in einen undurchsichtigen Sumpf aus Erpressung und Mord verstrickt. Nur von Ermittlungsarbeit kann eigentlich keine Rede sein.

Denn Brenner, wiederum herrlich knarzig gespielt von Kabarettist Josef Hader, betreibt nur ab und an aktive Spurensuche. Das Drama einer in divergierenden Wunschvorstellungen und Lebensplanungen behafteten Familienkonstellation läuft eher an ihm vorüber. Der Ex-Bulle verguckt sich in Birgit (Birgit Minichmayr, „Alle anderen“), Frau des Löschenkohl-Eignersohnes Pauli (Christoph Luser, „Der Fischer und seine Frau“). Der klammert sich an den Traum vom großen Geld und fährt als Ausdruck des materialistischen Scheins im Porsche spazieren. Das Vermögen aber gehört seinem Vater, dem alten Löschenkohl (Josef Bierbichler, „Im Winter ein Jahr“).

Der hat Probleme mit einem Zuhälter (Stipe Erceg, „Der Baader Meinhof Komplex“), zur Lösung selbiger aber eine Knochenmühle im Keller. In der, so beobachtet Brenner mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination, werden die Reste der verarbeiteten Hühner zu Futter für die zuliefernde Geflügelfarm. Im Ausguss entdeckt der sich einnistende Brenner einen Finger. Am Ende wird er selbst einen verlieren. Mitunter weht ein Hauch von Hinterwald-Horror durchs verschneite österreichische Idyll. Das Ambiente und die beiläufige Aufarbeitung von Intrige und Verbrechen erinnern an „Fargo“ – schließlich regiert in Witterung und Emotion Eiseskälte.

Das bewährte Team Hader, Haas und Wolfgang Murnberger (Regie) hat nach „Silentium“ und „Komm, süßer Tod“ auch „Der Knochenmann“ in abgewandelter Form für die Leinwand aufbereitet. Der Erzählstil Haas’ ist unmöglich werkgetreu zu verfilmen. Also kürzte und straffte das Trio beim Drehbuchschrieb, wo es notwendig schien. Das Resultat kann sich sehen lassen, fließt Lakonie und Depression doch ebenso in die genüsslich gespielte Krimi-Groteske ein, wie Morbidität und dialogischer Witz. Manchmal kompliziert und unüberschaubar, trotz kleiner Schwächen aber ein gestandenes Vergnügen.

Wertung: (7,5 / 10)

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