Der kleine Nick (F 2009)

der-kleine-nickDie Welt durch Kinderaugen: Mit der drolligen Familienkomödie „Der kleine Nick“ erleben die Bildgeschichten von „Asterix“-Schöpfer René Goscinny und Jean-Jacques Sempé ihre Wiedergeburt im Kino. Das mag skeptisch stimmen, schließlich zeigten gerade die Realverfilmungen um den unbeugsamen Gallier, wie der originäre Charme einer gezeichneten Vorlage durch offensiven Humor und moderne Computertechnik erstickt werden kann. Auch an den Flausen des kleinen Nick dürften sich manche Geister scheiden. Ihnen aber kann immerhin vorgehalten werden, dass sich Regisseur Laurent Tirard („Moliére“) bemüht, es allen Altersschichten recht zu machen.

Für die kleinen Zuschauer bietet die Perspektive von Nick (Maxime Godart) und seinen Freunden ausreichend Humor und Irrwitz. Ältere Semester können am artifiziellen und grotesk keimfrei wirkenden Ambiente des Paris der sechziger Jahre sowie den gelungenen Seitenhieben auf bürgerliche Milieus und Geschlechterrollen ihre Freude haben. Ob und inwiefern Tirard dem Stoff gerecht wird, bleibt sicher streitbar. Der Fokus rückt bei ihm, im Gegensatz zur ursprünglichen Narrative der Kurzgeschichten, von der Hauptfigur ab. Zwar ist Nick immer noch der Erzähler, seine Reduktion birgt aber zugleich die Chance eines vielseitigeren Blickes auf die Familie als gesellschaftliches Zentrum.

An die Stelle von Nicks Ausführungen treten nun Bilder, die dem kleinen Kommentator ein Stück seiner Existenz entziehen. Der Film kann aber nur bieten, was das Medium zulässt. „Der kleine Nick“ sollte demnach auch nur als freie Interpretation begriffen werden. Denn um im pedantischen Vergleich mit der Vorlage als misslungen verdammt zu werden, ist der turbulente Spaß einfach zu gekonnt umgesetzt. Das lässt auch verzeihen, dass die eigentliche Handlung in ihrer naiven Vorbereitung fast schon zu konstruiert wirkt. Als Nick sich nämlich einbildet, die Mutter (Valérie Lemercier) wäre schwanger und das sich ankündigende Geschwisterchen für die Eltern Grund genug, ihn im Wald auszusetzen, entwickelt der Junge einen kühnen Plan.

Zusammen mit seinen Freunden versucht er einen Gangster anzuheuern, der das Kind nach der Geburt entführen soll. Episodisch springt der Film zwischen diesem skurrilen Unterfangen und dem von Nicks Vater (Kád Merad, „Willkommen bei den Sch’tis“) repräsentierten Bürgertum, das stets nach sozialem Aufstieg strebt und dafür den Chef umgarnt, hin und her. Mit der Subtilität und dem feinen Humor von Goscinny und Sempé kann das nicht mithalten. Wer sich dadurch aber nicht um das Vergnügen einer putzigen Knirps-Komödie bringen will, sollte den intermedialen Vergleich einfach beiseite schieben. Zumal Tempo, Spielwitz und Ausstattung kleinere Schwächen gekonnt zu egalisieren wissen.

Wertung: (7 / 10)

 

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