Der Ja-Sager (USA/AUS 2008)

der-ja-sagerEs ist ruhiger geworden um Gummigesicht Jim Carrey, den es abseits formelhafter Humoresken („Dick und Jane“) gern auch in andere Genres verschlägt. Zuletzt, wie im Thriller „Number 23“, mit eher durchwachsenem Erfolg. Statt der sonst üblichen zwei Engagements pro Saison wirkte der erklärte Jerry Lewis-Nachfolger seit 2005 gerade einmal in drei Spielfilmen mit. Deren letzter, „Der Ja-Sager“, führt den Star-Komiker wieder auf bewährtes Terrain und sorgt für harmlose Heiterkeit mit Happy End-Garantie.

Seit er von der Gattin sitzen gelassen wurde, ist der Bankangestellte Carl Allen (Carrey) ein misanthropischer Miesepeter. Die verbliebenen Freunde speist er fortwährend mit faulen Ausreden ab, zu seinem bevorzugten Vokabular zählt das ihn isolierende Wörtchen „nein“. Das ändert sich schlagartig, als er einen von Terence Stamp („Get Smart“) ausgerichteten Selbsthilfekurs besucht, bei dem er schwört, zukünftig sämtliche Anfragen und Angebote zu bejahen. Plötzlich geht es beruflich bergauf und mit der flippigen Rock-Sängerin Allison (Zooey Deschanel, „The Happening“) tritt auch eine neue Liebe auf den Plan.

Der von Routinier Peyton Reed („Trennung mit Hindernissen“) inszenierte Schwank bewegt sich in streng vorgezeichneten Bahnen. Carrey ringt mit dem Schicksal und treibt den ihn ereilenden Lebenswandel ins Extrem, so dass als moralische Fußnote ein läuterndes Mittelmaß und die Weisung einer optimistischen Lebenseinstellung bleiben. In Tonalität und Ausführung erinnert das stark an „Der Dummschwätzer“, wenn diesmal auch auf ein verkitschendes Kind an der Seite der Hauptfigur verzichtet wird.

Die von Carrey souverän getragene Komödie hält sich der allgegenwärtigen Konventionalität entsprechend bedeckt und verzichtet, vom Senioren-Blowjob abgesehen, auf die Auslotung humoristischer Niederungen. Der „Ja-Sager“ soll schließlich als Familienfilm funktionieren – und das generationsübergreifend. Ein Risiko sind die Macher und ihr Hauptdarsteller wahrlich nicht eingegangen. Der muntere, mit teils zweckfreien Nebenfiguren (u.a. Bradley Cooper, „Midnight Meat Train“) gesäumte Spaß hält aber konstant bei Laune und bringt seinen Star zurück ins Gedächtnis des Zielpublikums. Mehr war zweifelsfrei auch nicht zu erwarten.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Alles was ich an euch liebe (E/PT/ARG/GB 2004)

    Die Geschichte einer Liebe zwischen einer Jüdin und einem Palästinenser besitzt im Kino der Gegenwart das Potential eines konfliktbeladenen Melodrams. Dramaturgisch umso schwerwiegender erscheint die Vorstellung, dass sie (die Jüdin) ihrer Familie (auch jüdisch) den Geliebten (der Palästinenser) als zukünftigen Ehemann vorstellt, ohne dass die gläubige Sippschaft seine wahre Herkunft kennt. Die Folge wäre wohl…

  • Pistoleros (I/E 1965)

    In den frühen Neunzehnsechzigern, der Warmlaufphase des Italo-Westerns, war die südeuropäische Pferdeoper noch deutlich von US-amerikanischen Standarten geprägt. Das stilbildend rohe, dreckige Moment und nicht zuletzt die Aushebelung klassischer Gut-Böse-Schemata wurde maßgeblich von Genre-Größen wie Sergio Leone („Für eine Handvoll Dollar“) oder Sergio Corbucci („Django“) geprägt. Ein Film, der zwischen den Stühlen – und den…

  • Der Gehetzte der Sierra Madre (I 1966)

    Fast im Alleingang hat Jonathan Corbett (Lee Van Cleef, „Zwei glorreiche Halunken“) Texas von Banditen befreit. Was läge da näher, als den Weg in die Politik anzustreben? Er gewinnt den einflussreichen Industriellen Brokston (Walter Barnes, „Django – Ein Sarg voll Blut“) als Förderer, als ihn auf einem Bankett die Nachricht ereilt, der junge Mexikaner Cuchillo…

  • Radio Rock Revolution (GB/D 2009)

    Ein Schiff voll verrückter Radio-DJs und die verzweifelt um den Anstand der Jugend ringende Obrigkeit. Das sind die Zutaten von „Radio Rock Revolution“. Nicht zu vergessen der Rock ´n Roll selbst, weniger ein Genre als vielmehr ein Lebensgefühl, eine Herzfrequenz zwischen Populärkultur und sozialer Auflehnung. Heute ist Musik selbstverständlich, ein alltägliches Gut von bestenfalls marginaler…

  • Cut and Run (I 1985)

    „Your journey ends here. Forever!“ – Über das Medieninteresse wenig erfreut: Colonel Hort Südamerikanische Flusslandschaften sind mit Vorsicht zu genießen, tümmelt sich darin doch allerlei tödliches Getier. Und der stets furchterregende Glatzkopf Michael Berryman, der von Cravens „The Hills have Eyes“ bis zu Zombies „The Devil’s Rejects“ vortrefflich den degenerierten Psychopathen gab. Auf die für…