Der Hobbit – Smaugs Einöde (NZ/USA 2013)

hobbitdesolationsmaug„I am fire… I am death.“ – Feuer und Flamme: Smaug

Mit „Smaugs Einöde“, dem Mittelteil seiner „Hobbit“-Trilogie, bringt Peter Jackson das Halbling-Epos endlich auf Kurs. Ob der den Fans der literarischen Vorlage aber durchweg schmecken wird, bleibt zumindest diskussionswürdig. Denn Jackson nimmt dem rund 300 Seiten umfassenden Kinderbuch von J.R.R. Tolkien einen Gutteil seiner märchenhaften Leichtfüßigkeit und passt es in Form eines klassischen Prequels an seine kolossale, zwischen 2001 und 2003 mit überwältigendem Erfolg in die Kinos gebrachte „Herr der Ringe“-Trilogie an. Die Streckung des im Tolkien-Fundus eher überschaubaren Ursprungs auf ebenfalls drei Teile stinkt dabei unbestreitbar nach kommerziellem Kalkül. Jedoch zeigt Jackson konsequent, dass er sich von Tolkiens Weg inspiriert zeigt, ohne diesem sklavisch zu folgen.

Die zweite Etappe des Kampfes von Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), Zauberer Gandalf (Ian McKellen, „Gods and Monsters“) und der Zwergentruppe um Thronerbe Thorin Eichenschild (Richard Armitage, „Strike Back“) um das vom Drachen Smaug mit all seinen Reichtümern in Beschlag genommene Königreich unter dem Berg beginnt mit gewohnten Bildern: es wird gerannt. Auf der Flucht vor dem Orkkrieger Azog, der mit dem geheimnisvollen Nekromanten (wie Drache Smaug im Original mit der Stimme von Freemans „Sherlock“-Partner Benedict Cumberbatch) im Bunde ist, geht es für die Abenteurergemeinschaft vor der wiederum tourismusfördernd ins Bild gerückten Naturkulisse Neuseelands über Stock und Stein.

Neben ausladenden Kameraflügen über Hügel- und Bergketten, bei denen die Protagonisten auf Ameisengröße reduziert durch die imposanten Lande hetzen, ist es daneben der tiefe Griff in die Monstertrickkiste, der die erste Hälfte des Films prägt. Ob da nun ein Gestaltwandler als böse brummender Bär durch die Wildnis schleicht, die Orks auf Zähne fletschenden Raubtieren reiten oder riesige Spinnen einen ganzen Wald unter dicht gesponnenen Netzen zu bedecken drohen, an furchterregendem Getier spart Jackson nicht. Mit der Vorlage hat das bisweilen herzlich wenig gemein, so dass die Macher sich selbst mehr die Treue halten als Urheber Tolkien. Zum eklatanten Nachteil gerät das allerdings nicht. Denn „Smaugs Einöde“ hat Tempo, Schmiss und beeindruckende Bilder.

Der etwas zähe und zu sehr auf die Zwergenschar (u.a. Charakterdarsteller James Nesbitt, „Five Minutes of Heaven“) fokussierte Vorgänger wird jedenfalls bald in den Schatten gestellt. Auch durch die schneller in Bewegung kommende Erzählung. Die lässt Gandalf auf Geheiß von Elbenfürstin Galadriel (Cate Blanchett, „Blue Jasmine“) zur Festungsruine Dol Guldur aufbrechen, wo er den Nekromanten stellen will und eine böse Überraschung erlebt. Unterdessen geraten Bilbo, Thorin und die übrigen Zwerge im finsteren Forst an die mehrmäuligen Riesenspinnen und die wenig freundlichen Waldelben um König Thranduil (Lee Pace, „Pushing Daisies“). In dessen Gefolge findet sich mit Sohn Legolas (Orlando Bloom, „Fluch der Karibik“) ein alter Bekannter aus dem „Herr der Ringe“-Kosmos.

Neu dabei ist die von Legolas begehrte Elbenkriegerin Tauriel (Evangeline Lilly, „Lost“). Die allerdings ist für romantische Anflüge an anderer Front zuständig, wenn es zwischen ihr und Zwerg Kili (Aidan Turner, „Being Human“) funkt. Für sie ist das entgegen den königlichen Anordnungen, der drohenden Invasion durch die Orks mit Teilnahmslosigkeit zu begegnen, Grund genug, den Zwergen (und vor allem dem im Kampf schwer verwundeten Kili) bis in die auf dem Wasser gelegene Ortschaft Seestadt zu folgen. Von dort aus bricht Thorins Gefolgschaft in die von Smaug beherrschte Heimat auf, um mit Bilbos Hilfe den legendären Arkenstein wiederzuerlangen. Fährmann Bart (Luke Evans, „Krieg der Götter“) bleibt angesichts der durch Smaug bestehenden Gefahr skeptisch, der windige Stadtvorsteher (Stephen Fry, „V wie Vendetta“) wittert jedoch neue wirtschaftliche Blüte.

Konfliktpotenzial ist damit genug gegeben und auch wenn Jacksons zweiter „Hobbit“ bisweilen überfrachtet wirkt, bietet der Erfolgsregisseur perfektes Fantasy-Kino, bei dem Märchenelemente, fiese Monster und kauzige Situationskomik Hand in Hand gehen. Und wenn Legolas bei der wilden Fässerflussfahrt von einem Zwergenkopf zum anderen springt und mit Pfeil und Bogen reihenweise Orks erlegt, ist die Blaupause für das begleitende Videospiel auch perfekt. Höhepunkt bleibt jedoch das Schlussdrittel mit dem in der Zwergenfeste unter Unmengen von Reichtümern schlummernden Smaug. Diese visuell bestechende Mischung aus M. C. Eschers absurder Architektur und dem Geldspeicher Dagobert Ducks sorgt für atemberaubende Tricktechnik und etabliert den eloquenten Smaug obendrein als klassischen Kinobösewicht. Spektakulär bleibt vor allem seine Entfesselung. Sie bringt eine Entwicklung in Gang, die das Tempo im finalen Part kaum drosseln dürfte.

Wertung: (8,5 / 10)

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