Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs (NZ/USA 2003)

der-herr-der-ringe-die-rueckehr-des-koenigsEndlich hat die elende, obgleich mit freudiger Erwartung geschmückte Zeit des Wartens auf den finalen Part der fulminanten „Herr der Ringe”-Trilogie ein Ende. Die liebgewonnenen Helden Mittelerdes blasen mit Pauken und Trompeten zum alles entscheidenden Kampf gegen den dunklen Herrscher Sauron und seine schier übermächtigen Armeen finstrer Kreaturen. Dabei stehen die Zeichen für die Streiter des Guten jedoch nur bedingt auf Sieg, ist mit dem Fall des abtrünnigen Zauberers Saruman (in der Kinofassung leider nicht zu sehen: Christopher Lee) durch die vernichtende Niederlage bei Helms Klamm lediglich das kleinere zweier Übel ausgemerzt. Denn noch immer gilt Ringträger Frodo Beutlin (Elijah Wood, „Der Eissturm”) den einen Ring in den ewig währenden Feuern des Schiksalsberges zu vernichten und die Macht Saurons zu brechen.

Nicht weniger gefahrvoll scheint die Abwehr des riesigen gen Minas Tirith vorrückenden Heeres aus Orks, berittenen Südländern und seefahrenden Söldnern. Dabei müssen sich die tapferen Recken in den Wirren der Geschehnisse ihren ganz eigenen Ängsten stellen. Aragorn (Viggo Mortensen, „Schrei in der Stille”) versucht mit dem Elben Legolas (Orlando Bloom, „Troja”) und dem Zwerg Gimli (John Rhys-Davies, „Quaterman II”) seiner Berufung als Isildurs Erbe entsprechend ein Heer verfluchter Toter zur Verstärkung zu rekrutieren. Frodos getreuer Begleiter Sam (Sean Astin, „Memphis Belle”) zieht sich durch listig gestreute Misgunst Gollums die Ungnade seines Freundes zu, wächst in Zeiten höchster Not jedoch über sich hinaus und stellt sich mit dem Schwert voran dem garstigen Spinnengetier Kankra.

„Die Rückkehr des Königs” stellt passagenweise, in deutlicher Nähe zur literarischen Vorlage, eine vom Kreise der Gefährten abweichende Vielzahl bedeutsamer Randcharaktere in den Vordergrund, was die Tiefe und Bandbreite des abschließenden Teiles der monumentalen Trilogie schon vorzeitig zum emotionalsten Part der Reihe gereifen lässt. Damit verbunden holen die Darsteller zum Ausklang noch einmal an allen Fronten zu Höchstleistungen aus. Deutlich hervor stechen neben dem erneut glänzenden Ian McKellen („Der Musterschüler”) als Zauberer Gandalf Bernard Hill („Gothica”) in der Rolle König Theodens und Miranda Otto („Human Nature”) als Eówyn, gleichsam verschmähte Schwertmaid und Rohans Thronfolgerin. Aber auch die Hobbits Merry (Dominic Monaghan) und Pippin (Billy Boyd) bekommen Raum, sich auszuzeichnen und nicht minder wilkkommen ist das Wiedersehen mit den Elben Elrond (Hugo Weaving, „Matrix”), Galadriel (Cate Blanchet, „Elizabeth”) und Arwèn (Liv Tyler, „Plunkett und Macleane”).

Peter Jacksons kongeniale Verfilmung von J.R.R. Tolkiens märchenhaftem Fantasy-Epos findet mit „Die Rückkehr des Königs” ihren wahrhaft krönenden Abschluß. Dabei stellt Regisseur und Co-Autor Jackson einmal mehr seine schöpferische Klasse und das enorme Einfühlungsvermögen in den vielschichtigen Stoff der komplexen Geschichte unter Beweis. Erzählerisches Geschick offenbart er bereits durch den Bruch des Erzählstranges um Frodo am Ende von „Die zwei Türme”, das den Cliffhanger des Buches einfach in den dritten Teil übenimmt. Der Erzählstil bleibt der Gemächlichkeit Tolkiens allen vordergründigen Schlachtgetümmels und der Ablehnung des naturalistischen Grundtones zum Trotze treu. Jackson findet immer die Balance zwischen perfekter Kinounterhaltung und schauspielerischer Klasse. Die famose Bildästhetik wird in zahllosen Zeitlupensequenzen, Überblenden und Schnittfolgen zu wahrhaft meisterlichen Höhen getrieben. Besonders deutlich wird dies anhand der gnadenlosen Entsendung Faramirs (David Wenham, „Van Helsing”) ins längst gefallene Osgiliath durch den eigenen Vater, Gondors Stadthalter Denethor (John Noble).

In schwermütigen Sequenzen wie diesen lässt Peter Jackson den Zuschauer im Blockbuster-Metier selten erlebte Intensität erfahren und prädestiniert sich abermals für den längst fälligen Oscar. „Die Rückkehr des Königs” als besten Teil der fantastischen Saga zu bezeichnen, wäre nicht unbedingt angebracht. Doch ist er zweifelsfrei ihr Höhepunkt. Bereits der atmosphärische Auftakt, in der Sméagols Weg vom Hobbit zu Monster Gollum nachgezeichnet wird, fesselt den Zuschauer. Andy Serkis („The Escapist”) darf sein Gesicht dabei auch mal unverhüllt zeigen. Das Ende der Reise, soviel darf bereits vorweggenommen werden, entspricht der Vorlage Tolkiens, auch wenn das düstere letzte Kapitel (die Befreiung des Auenlandes) zugunsten eines redundant tränenreichen Abschiedes komplett ausgeklammert wurde. Fest steht allerdings, dass Peter Jackson und seine Crew Kinogeschichte geschrieben haben. Dies Epos wird auch in Jahrzehnten noch die Massen begeistern. Mit seiner akribischen und zeitraubenden Arbeit hat sich der neuseeländische Filmemacher auf ewig einen festen Platz in den Herzen der gewaltigen Fangemeinde Tolkiens gesichert. Und vielleicht hat Jackson ja auch noch ein Einsehen und beglückt das Erdenrund in ferner Zukunft mit einer Verfilmung der Vorgeschichte des „Kleinen Hobbit”.

Wertung: 9 out of 10 stars (9 / 10)

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