Der Generalmanager oder How to Sell a Tit Wonder (D 2006)

how-to-sell-a-tit-wonderIm Zeitalter von Trash-TV und multimedialem Selbstdarstellungswahn ist Fremdscham zum Geschäftsmodell geworden. Je größer die freiwillige öffentliche Demütigung des Einzelnen, desto größer die Erleichterung des Publikums, sich von peinlichen Mitmenschen abzuheben. Ganz zu Schweigen von der Lust an der Schadenfreude. Aber steckt nicht in uns allen der Drang ins Rampenlicht, und sei es auch nur durch Busenwiegen im Privatfernsehen? Vielleicht ist jener Martin Baldauf ja nicht abschreckendes Beispiel, sondern in gewisser Weise Vorbild, für die unbedingte Realisierung eines Lebenstraums.

Martin wer? Martin Baldauf, eine Art Kurzzeitprominenter aus der hinteren Reihe, der als Manager von „Busenwunder“ Lolo Ferrari durch die mittäglichen Fernseh-Talk Shows tingelte. In „Der Generalmanager oder How to Sell a Tit Wonder“ zeichnet Steffen Jürgens, von Beruf eigentlich Schauspieler („Berlin – 1. Mai“), ein Portrait des quirligen Geschäftsmannes, das sich als schmerzliches Zeugnis des Scheiterns entpuppt. Unfreiwillig überführt sich Jürgens dabei selbst, als narzisstischer Nachahmer des von ihm umschwirrten Selfmade-Unternehmers.

Bereits mit dem parodistischen Kurzfilm „Stuhlberg – Der jüngste Manager Europas“, tauchte der Darsteller und Regisseur in die Welt des Martin Baldauf ein. Der spielte sich in einer kurzen Szene selbst, während Jürgens Baldaufs ironische Reflektion Stuhlberg mimte. Mit von der Partie war auch Lolo Ferrari, die am Ende des Films den eigenen Tod darbot. Kaum ein Jahr später wurde die Fiktion von der Realität eingeholt und die Französin mit der rekordträchtigen Oberweite starb tatsächlich. Als Baldauf darauf ein neues Busenwunder aufzubauen gedachte, war Jürgens wieder zur Stelle.

Wie Baldauf strebt auch sein Beobachter in den Vordergrund, durch üppige Auszüge aus „Stuhlberg“, gleichwohl lang geschwungene Reden über das gemeinsame Stück eingebildet karrieristischer Wegstrecke. Auf ihr wird der selbsternannte Promi-Manager schließlich als Blase entlarvt, als große Worte schwingender Aufschneider, der sich mehr durch Zufall und Glück in der Popularität der C-Prominenz sonnen durfte. Wie Jürgen Drews, den Baldauf so lange umschleimte und mit nie enden wollenden Sabbelfontänen einlullte, bis der ihn gnädig gewähren ließ.

Diese Eigenschaft, Persönlichkeiten des (minderen) öffentlichen Interesses durch quasi-parasitäre Aufdringlichkeit für sich einzunehmen, scheint Baldauf zur Profession machen zu wollen. Der Coup soll Britin Ashley Bond sein, die er in Deutschland auf eine Karriere als Medienstar vorbereiten will. Das zwangsläufige Scheitern dieser Unternehmung vollzieht sich in einer schier endlosen Folge von Nackenschlägen, die aus der reinen Ahnungslosigkeit des intuitiv handelnden Möchtegern-Managers resultieren. Mit Baldauf fällt letztlich auch Jürgens, der dem latent Größenwahnsinnigen jahrelang hörig mit der Kamera folgte. Übrig bleibt eine Dokumentation zwischen Faszination, Abscheu – und natürlich Fremdscham.

Wertung: (7 / 10)

 

scroll to top