Der ewige Gärtner (GB/USA 2005)

der-ewige-gaertnerIn Afrika gibt es keine Morde, nur bedauerliche Todesfälle. Das Resümee von Fernando Meirelles’ „Der ewige Gärtner“ fällt ebenso bitter wie entlarvend aus. Das US-Debüt des „City of God“-Regisseurs ist kein Kniefall vor Hochglanzoptik und Standarddramaturgie, ja nicht einmal vor der Buchvorlage John le Carrés. Meirelles wahrt den ungeschönten Blick auf die Brennpunkte des Elends. Diesmal kleidet er die Kritik in den verschachtelten Plot eines politischen Thrillers und lässt einen gebrochenen Ehemann nach den Hintergründen der brutalen Ermordung seiner Gattin fahnden.

Die Tat sieht zuerst nach einem Eifersuchtsverbrechen aus. Denn Polit-Aktivistin Tessa (Oscar-prämiert: Rachel Weisz, „My Blueberry Nights“), Frau des unauffälligen britischen Diplomaten Justin Quayle (Ralph Fiennes, „Der englische Patient“), wurde ein Verhältnis zum afrikanischen Mediziner Bluhm (Hubert Koundé, „Hass“) nachgesagt. Von ihm fehlt jede Spur. Der leidenschaftliche Gärtner Justin soll die Aufklärung den Behörden überlassen. Doch er bohrt selbst nach und erwacht allmählich aus seiner Lethargie. So kommt er nicht nur einem Medikamentenskandal auf die Spur, sondern auch dem wahren Ich seiner Frau näher.

Auch wenn die kurze Zusammenfassung des Inhalts in Richtung eines standardisierten Dramas weist, so ist der Film für die Sehgewohnheiten des auf Hollywood geeichten Kinogängers ein Schlag ins Gesicht. Der Regisseur will es so. Die Bilder sind authentisch, ungeschönt, eingefangen durch eine oft wacklige und unscharfe Handkamera. Formal gibt sich Meirelles’ Werk ungekünstelt, was auf den Inhalt nicht immer zutrifft, durch spielstarke Darsteller und die feinfühlige Inszenierung aber leicht egalisiert wird. Vorhersehbarkeiten stören nicht, weil sie nicht aus dem Drang nach gewöhnlichem Thrill gespeist werden.

Die Spannung liegt im menschlichen Drama. In Rückblicken wird die Beziehung zwischen der engagierten Tessa und dem bequemen Justin beleuchtet. Der gegenseitige Respekt entschärft Reibungsflächen und führt dazu, dass sich beide im Grunde fremd bleiben. Die Suche nach der Wahrheit wird für ihn deshalb auch zur Rekonstruktion der Frau die er liebt, jedoch nur ansatzweise kennt. Durch ihren Blickwinkel tritt die rücksichtlose Ausbeutung der afrikanischen Bevölkerung durch westliche Pharmakonzerne zutage. Der Fall bleibt fiktiv, dabei aber nicht weniger glaubhaft.

„Der ewige Gärtner“ ist ein unbequemer Film. Das Gewissen der westlichen Welt wird mit Schuld beladen. Nicht ohne Grund, schließlich werden die mannigfaltigen Problemkomplexe des afrikanischen Kontinents in den Köpfen der Industrienationen und ihrer Medien nur zu gern ausgeblendet. Im Kino vollzieht sich ein Wandel, dem Filme wie „Hotel Ruanda“ folgen. Aus ihm könnten die fatalen Entwicklungen in der dritten Welt eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Wenn dafür der Weg Hollywoods beschritten werden muss, dann ist es nur recht so.

Wertung: (9 / 10)

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