Demoni 2 – Dämonen (I 1986)

daemonen-2Zombies, Vampire oder „Killer Clowns from Outer Space“ – gegen die Dämonen aus der gleichnamigen Reihe sind diese Zeitgenossen nur freche Lausebengel! Ein kleiner Kratzer durch die fürchterliche Dämonenkralle genügt, um einen Menschen binnen Minuten in einen der ihren zu verwandeln. Seiner Humanität beraubt und mit überdimensionalen Beißern sowie der eben erwähnten Kralle des Todes ausgestattet, begibt sich die nur noch durch Instinkt getriebene Kreatur auf Jagd nach allem, was noch lebendig anmutet. Ob Yuppie, Kind oder Hund, es entkommt niemand. Doch Obacht, auch wenn der deutsche Titel hier den Anbeginn der Apokalypse suggerieren möchte, so führt er doch gewaltig in die Irre! Denn es dürfte sich herumgesprochen haben, dass Mario Bavas Sprössling Lamberto zwei Teile der Saga auf Zelluloid bannte, die vom deutschen Verleih in umgekehrter Reihenfolge betitelt wurden. Für den grundlegenden Filmgenuss das Wissen um diese konfuse Entscheidung aber nicht einmal zwingend erforderlich.

Die bunten 1980er, irgendwo in West-Deutschland. Auch wenn vor dem hochmodernen Wolkenkratzer ein Schild mit der Aufschrift ´The Tower´ prangt und nicht wenige der in ihm hausenden Charaktere Sally, Jake oder George heißen, ist die später eingeschobene Weihnachtsmarktszene (!) mit den Glühwein trinkenden und zu geselligen Volksmusikklängen schunkelnden Genossen eindeutig als teutonisch zu identifizieren. Aber auch das dürfte irrelevant ausfallen, immerhin sollen ja die blutrünstigen Dämonen ihren großen Auftritt erhalten. Die junge Sally (Coralina Cataldi Tassoni) feiert irgendwo in den höheren Stockwerken mit ihrer Clique Geburtstag. Weil aber die Frisur nicht sitzt, das Kleid furchtbar sein soll (ist es!) und der Rest auch nicht den Ansprüchen der prätentiösen jungen Göre entspricht, schließt sich diese im Schlafgemach ein und lässt die Gäste im Wohnzimmer sitzen. Zur Aufmunterung kommt ein TV-Beitrag über den Angriff der Dämonen genau richtig, wobei die Reportage übrigens einige Parallelen zum sogenannten „zweiten“ Teil der Bava’schen Gore-Reihe aufweist. Als eine der auf der Mattscheibe tobenden Schreckgestalten Sallys Glotze als Portal zwischen den Welten nutzt (wie jetzt Logik?), verwandelt sich das Hoch- (ebenfalls) in ein Schlachthaus.

„Demoni 2“, wie der Film im Original korrekterweise heißt, ist bei genauerem Hinsehen lediglich eine in groben Zügen vollzogene Repetition des Vorgängers. Freunde zünftig dämonischer Brutalo-Action dürfte das allerdings wenig jucken. Enttäuscht wird der Genre-Freund also nicht, auch wenn die Kino-Dämonen im ersten Part weitaus splattriger zur Sache gingen. Doch nicht nur deswegen ist das Sequel eindeutig als der schwächere Part zu bezeichnen. Denn es gibt zwar auch hier noch Surreales zu bestaunen, nur besteht nicht selten die Gefahr, dies traumhaft übertriebene Moment mit purem Blödsinn zu verwechseln. Ein wenig hinderlich ist dabei die mangelnde Profilschärfe der Figuren. Wer darf denn nun den Helden mimen – und gibt es überhaupt jemanden, der das Dämonen-Mayhem überleben darf? Möglicherweise ist es Yuppie George (David Knight), der seine schwangere Frau Hanna (Nancy Brilli) zu beschützen sucht. Oder Gymnastik-Trainer Hank (Bobby Rhodes, der übrigens im Erstling als Pimp Tony Dämonen-Ärsche treten durfte). Beinahe bis zum arg kitschig geratenen Schluss bleibt diese Frage unbeantwortet.

Dafür gibt es die jüngste Argento-Tochter Asia in ihrer ersten Rolle zu bestaunen (Papa Dario hat natürlich wieder produziert) sowie grandiose Dialoge á la „Wir werden alle sterben!“. Zudem bleibt selbst ein Kind nicht vom Monster-Dasein verschont und einen putzigen Hunde-Dämon (Verkleidung und Maske sind ein Knaller!), aus dessen Bauch ein noch spaßigerer Gummi-Gnom hervorbrechen darf, gibt es auch noch zu bestaunen. Der Schluss des Films sollte übrigens weit nihilistischer und brutaler ausfallen als letztlich umgesetzt, doch nahmen die Macher um Lamberto Bava im Sinne eines hoffnungsvolleren Ausklangs Abstand von dieser Idee. Was davon zu halten ist, muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Angesichts der schunkelnden Weihnachtsmarktbesucher wäre das Ende aller Tage aber nur recht und billig gewesen.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Caramel (LBN/F 2007)

    Internationale Aufmerksamkeit und viel Kritikerlob heimste die Libanesin Nadine Labakis für ihr Regiedebüt „Caramel“ ein. Im Männer-dominierten Nahen Osten vermittelt ihre romantische Tragikomödie Einblicke in die weibliche Sicht der Dinge und offenbart obendrein, dass es auch in der kulturell ach so andersartig erscheinenden Fremde meist um Herzensangelegenheiten und ein adrettes Erscheinungsbild geht. Trotz dieses recht…

  • Joint Security Area (ROK 2000)

    Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist die Halbinsel Korea geteilt, das einst vereinte Volk in Kapitalisten und Kommunisten aufgesplittet. Lediglich eine vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone bildet das beiderseits streng bewachte Verbindungsglied zwischen den verhärteten Fronten. Vor dem Hintergrund dieser politischen Krisensituation erzählt der Südkoreanische Regisseur Chan-wook Park in seinem gefeierten Drama „Joint Security…

  • Fanboys (USA 2008)

    „Greatest deed Luke Skywalker ever did was take down the Death Star, right? As far as I’m concerned, that’s what everybody needs. You need that one bad-ass thing that lets you live on forever, you know.“ – Hutch Sci-Fi-Nerds aufgepasst: Mit „Fanboys“ zollt Kyle Newman („The Hollow“) dem „Star Wars“-Kult Tribut und bettet die Versessenheit…

  • Underground Fighter (HK 2006)

    Wenn für die Vorstellung aufstrebender Martial-Arts-Darsteller die filmische Idee fehlt, wird gern auf das Milieu illegalen Kräftemessens zurückgegriffen. Ein solches Umfeld lässt sich kostensparend aufbereiten und bietet ausreichend Gelegenheit, akrobatische Extravaganz zur Schau zu stellen. „Underground Fighter“ ist die Bühne des erklärten Jet Lee-Nachfolgers Jacky Wu. Der hinterließ in Filmen wie „Drunken Monkey“ oder „Kill…

  • Final Call (USA 2004)

    In B-Movie-kundigen Kreisen hat der Name Larry Cohen aufgrund seiner „It´s Alive!“-Reihe ein gewisses Gewicht. Hauptsächlich betätigt sich der Regisseur und Produzent jedoch als Autor. Nach Drehbüchern zu „Best Seller“, „Maniac Cop“ und „Uncle Sam“ landete er mit seinem Skript zum Low-Budget-Kassenschlager „Phone Booth“ (2002) einen veritablen Volltreffer. Grund genug, den Thriller-Plot ums liebe Telefon…

  • River of Death – Fluss des Grauens (USA 1989)

    Michael Dudikoff in einer Literaturverfilmung? Jetzt tut nicht so überrascht, „American Fighter“ war schließlich auch klassischer Shakespeare-Stoff. Nur eben mit Ninjas. Aber Spaß beiseite, im Abenteuerfilm „River of Death“ – oder im Deutschen „Fluss des Grauens“ – agiert der Aushilfs-Karateka nach Vorlage von Alistair MacLean. Auf dessen schriftstellerische Kappe gehen u.a. „Die Kanonen von Navarone“…