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DeeCRACKS with Andrea Manges - Brain Drain (2025, Striped Records)

11. Dezember 2025· von Thomas7.0 / 10
DeeCRACKS with Andrea Manges - Brain Drain (2025, Striped Records)

Die Frage muss erlaubt sein: Warum sollte eine Band ein ganzes Album covern? Nun ja, wenn die Band DEECRACKS heißt und es sich bei besagtem Album um den zehnten RAMONES-Langspieler „Brain Drain“ (1989) handelt, dann liegt die Antwort auf der Hand: Es geht um eine Ehrerbietung an die Ikonen des Drei-Akkorde-(Pop-)Punks, die über eine ausgewählte Eigeninterpretation bestimmter Referenz-Tracks (bei den RAMONES in der Regel „Blitzkrieg Bop“ oder „Sheena Is a Punk Rocker“) deutlich hinausgeht.

Dass die Österreicher auch ihre Lieblings-Stücke quer durch die Discographie der erklärten Vorbilder hätten neu auflegen können, steht dabei gar nicht zur Debatte. Erst recht nicht, da „Brain Drain“ beileibe nicht das stärkste Output der New Yorker Punk-Urgesteine markiert. Wahrscheinlich aber das überproduzierteste. Aber was heißt eigentlich DEECRACKS? Denn die haben sich „Brain Drain“ nicht allein vorgenommen. Den Gesang übernahm Andrea, Frontmann der befreundeten italienischen Combo THE MANGES. Dessen mitunter durchschimmernder Akzent zählt noch zu den größeren Unterschieden der nachgespielten Stücke.

Dies Malen-nach-Zahlen-Prinzip trübt aber keineswegs die Wirkung von Nummern wie „I Don’t Believe in Miracles“, „Zero Zero UFO“, „Punishment Fits the Crime“, „Learn to Listen“, „Can’t Get You Outta My Mind“ oder dem eigens für die gleichnamige Stephen-King-Verfilmung geschriebenen „Pet Sematary“. Dass sowohl die DEECRACKS als auch die MANGES gemeinhin temporeicher als die RAMONES zu Werke gehen, wird durch manch flottere Interpretation (siehe exemplarisch „Ignorance is Bliss“) partiell herausgestellt.

Ob es die Neuauflage von „Brain Drain“ wirklich gebraucht hätte, bleibt zwar diskutabel. Aber die DEECRACKS und Andrea Manges geben der Platte die Ecken und Kanten zurück, die damals im Studio doch verhältnismäßig deutlich geglättet wurden. Da gewinnt dann auch der schön-schreckliche Weihnachts-Song „Merry Christmas (I Don’t Wanna Fight Tonight)“ ein Stück an Reiz zurück. Unter dem Strich also ein sympathischer Kniefall vor den RAMONES, auf den zwar niemand ernsthaft gewartet hat, den man schlussendlich aber auch nicht missen möchte.

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