December Youth – Transgressions (2014, DIY)

december-youth-transgressionsNach dem vorläufigen Niedergang des (Deutsch-)Punks lebte Düsseldorf musikalisch lange von der Popularität massenkompatibler Aushängeschilder wie den TOTEN HOSEN (mittlerweile ergänzt durch die BROILERS). Ende der Neunziger dann formierte sich eine alternative DIY-Szene in der Landeshauptstadt, die der seinerzeit sträflich unterrepräsentierten Subkultur über Bands wie FIDGET und CHO-JIN ein eigenes Profil verlieh. Zwar sind diese längst aufgelöst, ihre Fußspuren jedoch sind weiterhin sichtbar. Woran es dabei jedoch mangelt, sind Nachwuchs-Combos, die für sich eine eigene Nische beanspruchen und die Leute vor die Bühnen treiben könnten.

Die ersehnte Abhilfe versprechen DECEMBER YOUTH, die sich dem Post-Hardcore der DIY-Schule verschrieben haben. Als erstes Lebenszeichen schicken sie die fünf Tracks starke EP „Transgressions“ in den Äther, auf der mit Geschick und Leidenschaft  das Nebeneinander von Melodie und Geschrei geprobt wird. Dass diese bewährte Mischung bisweilen etwas ungestüm wirkt, veranschaulicht „A Promise“, bei dem die barschen Vocals die Instrumente überlagern. Aber auch das macht den Reiz des DIY aus, diese sympathische Unfertigkeit, die die Musik und das Gefühl dahinter in den Vordergrund rückt und nicht die Oberflächengüte. Das einleitende „A Backward Glance“, zugleich stärkster Beitrag der EP, gibt dabei packend die Marschrichtung vor.

Die stets erhobene Stimme transportiert Wut und Verzweiflung, während ihr die Instrumentierung emotionaler Gegenpol und Träger zugleich ist. Die folgenden Nummern, „13“, das besagte „A Promise“ und „First Part of a Tragedy“, werden jeweils im Rahmen von (rund) zwei Minuten abgehandelt. Eine gewisse Undurchdringlichkeit bleibt trotzdem integraler Bestandteil. Dass diese jedoch Zeit beansprucht, belegt das abschließende „Chasing Dreams“, bei dem DECEMBER YOUTH das Tempo variabler gestalten und auch emotional vielschichtiger wirken. Grund zur Klage gibt es bei „Transgressions“ – hier übrigens für einen frei wählbaren Betrag downloadbar – jedoch nicht. Denn dass eine vielversprechende Düsseldorfer Band überhaupt mal wieder mit so viel Herzblut zur kreativen Vielfalt am Rhein beiträgt, ist bereits aller Ehren wert!

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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