Death Bell – Tödliche Abschlussprüfung! (ROK 2008)

death-bell-toedliche-abschlusspruefungAn der Chang-In Highschool in Seoul ist die Hölle los. Angespannt sind die Schüler nicht nur wegen der vor kurzem beendeten Abschlussprüfungen, auch der Besuch der Partnerschule steht noch an. Die 20 kompetentesten Schüler und drei Lehrer sollen für das Event an einem Samstagnachmittag einen Sonderkurs auf die Beine stellen. Einleitend wird der Gruppe ein Video vorgeführt, als das Bild urplötzlich in einen Livestream übergeht. Eine weißgesichtige Puppe mit roten Spiralen auf den Wangen erscheint! Sie dreht mechanisch ihren Kopf zu den ahnungslosen Schülern und verkündet mit verzerrter Stimme: „I want to play a game. Here’s what happens if you lose.“

Wer das nun auf Anhieb tatsächlich glauben mag, soll sich bitte eine Ecke suchen und ganz doll schämen! Die fassungslosen Anwesenden indes sehen die Trägerin der besten Noten in einem Bassin gefangen, das sich langsam mit Wasser füllt. Auf dem Glas des Beckens steht eine mathematische Aufgabe gekritzelt, die sich schnell zu Lösen empfiehlt, da eine über Lautsprecher drohende Stimme unmissverständlich klar macht, dass das Scheitern der Aufgabe für die Schülerin nur eines bedeuten kann: den Tod. Und bei nur einer Aufgabe bleibt es natürlich nicht.

Was haben Filme wie „Bloody Reunion“, „The Host“ und „A Tale of Two Sisters“ gemeinsam? Der erste ein „Hostel”-esker Folterporno, der zweite ein fast klassischer Monsterfilm und der dritte ein Psychodrama im Horrorgewand? Nun, sie alle kommen aus Süd-Korea, neben Thailand der derzeit interessanteste asiatische Filmimporteur. „Gosa“, wie „Death Bell“ im Original heißt, ist natürlich auch in Süd-Korea entstanden, und orientiert sich sicherlich nicht ungewollt am skandalös erfolgreichen „Saw“-Franchise. Manche Stimmen behaupten gar, man bekäme hier einen Mix aus „Saw“ und „Battle Royale“ zu sehen, doch so dürfte man diese Behauptung nicht stehen lassen. Denn das essentielle „Battle Royale“- Element Schüler vs. Schüler sucht man hier vergebens.

Wer ausgetüftelte Fallenkonstrukte (und daraus resultierende Sauereien) á la „Saw“ erwartet, wird bei „Death Bell“ nicht auf seine Kosten kommen, da es Regisseur Hong-Seung Yoon allem Anschein nach nicht um herumwirbelnde Körperteile ging. Dafür um Rache. Der Killer zeigt sich natürlich erst am Ende, und glücklicherweise wird seine Motivation nicht wie bei so vielen Genrevertretern ad absurdum geführt. Wenn seine Identität aber erstmal gelüftet ist, wird sich der eine oder andere sicherlich die Frage stellen, wie diese Person die Zeit, den Ideenreichtum und das nötige Kleingeld für seinen perfiden Plan auftreiben konnte. Aber nach baldig sieben abenteuerlichen Filmpuzzles um einen gewissen John Kramer hinterfragen wir so etwas schon lange nicht mehr.

Die Charaktere bleiben erwartungsgemäß eindimensional und so dauert es eine Weile, bis sich ein Sympathieträger herauskristallisiert. Die meisten Zuschauer dürften dann ihre Meinung aber noch revidieren, da der überraschende Schluss-Twist eben mit einem potentiellen Helden abrechnet. Als störend ist hingegen das für den asiatischen Horrorfilm typische und schon nicht mehr wegzudenkende bleiche Mädchen mit den schwarzen Haaren im Gesicht zu erachten, das hier, wenn es auch nur in einer Traumsequenz auftaucht, eigentlich nichts verloren hat. Ansonsten ist „Death Bell – Tödliche Abschlussprüfung!“ trotz des unsäglichen deutschen Untertitels solide Genrekost, die 82 Minuten bei der Stange hält. Die ausgelutschte Phrase, dass es Besseres, aber auch weit Schlimmeres gibt, trifft den Nagel auch hier auf den Kopf.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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