Dead Birds (USA 2004)

dead-birdsDas Genre des Horrorfilms mit Elementen des Westerns zu kreuzen brachte in der Vergangenheit zumeist wenig einträgliches hervor. Zwar genießt Antonia Birds schmutziger Kannibalen-Reißer „Ravenous“ Kultstatus und auch „Ginger Snaps Back – The Beginning“ verströmt seinen eigentümlichen Reiz. Doch klafft hinter wenig Herausragendem ein Loch, dass Filme wie „The Killing Box“, „Grim Prairie Tales“ oder „From Dusk Till Dawn 3 – The Hangman´s Daughter“ kaum zu stopfen vermögen. In diesem Zusammenhang hervorzuheben sind lediglich noch die bissigen Blutsaugerepen „Near Dark“ und „Vampires“ – die mit Zitaten um die älteste Filmgattung jonglieren. Regisseur Alex Turner („Disposal“) bereichert dieses Subgenre mit „Dead Birds“ um einen weiteren brauchbaren Beitrag, rollt er doch eine Geschichte klassischen Haunted-House-Horrors vor dem Hintergrund des Sezessionskrieges aus.

Alabama, 1863: Vier Deserteure, eine Frau und ein ehemaliger Sklave entfliehen den Wirren des amerikanischen Bürgerkriegs, indem sie Geld der Südstaatenarmee aus einer Bank rauben. Da ist William (Henry Thomas, „Gangs of New York“), Anführer der Bande, dessen Geliebte Annabelle (Nicki Lynn Aycox, „Jeepers Creepers 2“) und sein jüngerer Bruder Sam (Patrick Fugit, „Spun“). Daneben sitzen Todd (Isaiah Washington, „Ghost Ship“), Clyde (Michael Shannon, „Bad Boys II“) und Joseph (Mark Boone Junior, „Frankenfish“) im Sattel. In einem entlegenen Farmhaus wollen die Outlaws eine planmäßige Rast einlegen, bevor die Flucht Richtung Mexiko ihre Fortsetzung findet. Doch birgt das von verdorrten Feldern umschlossene Anwesen einen ruhelosen Geist, der die Eindringlinge mit albtraumhaften Visionen plagt, bevor sie endgültig um ihr Leben fürchten müssen.

Was mit dunklen Vorahnungen beginnt, ergießt sich nach Einführung des denkbar simplen Plots – der sich von „Amityville Horror“ über „The Shining“ bis hin zu „Deathwatch“ reichhaltig aus dem Fundus ähnlich gestrickter Werke bedient – in gut getimten Schockmomenten und ansehnlichen Tricks. Dabei folgt „Dead Birds“ punktiert den Gesetzmäßigkeiten des übersinnlichen Grusel-Thrillers – von der Gruppe separierte Mitglieder fallen nach und nach dem namenlosen Schrecken zum Opfer, während allerorten Blitz und schwerer Regen an der Spannungsschraube drehen – und überzeugt doch durch souveräne Darsteller und eine gelungene Inszenierung. Diese verleiht den Figuren unabhängig ihrer stereotypen Tendenzen charakterliche Schattierung, was die aufkeimenden Spannungen innerhalb der Bande weniger konstruiert erscheinen lässt.

Auf explizite Gewaltdarstellung wird trotz des wenig zimperlichen Auftaktes weitesgehend verzichtet. Allerdings stellen die wenigen blutigen Einschübe die Freigabe des Films ab 16 Jahren ein ums andere Mal in Frage. Aus offenen Wunden sprudelnder Lebenssaft ist zwar erkennbar am Computer geschaffen, doch lässt die gute Umsetzung den geringen finanziellen Rahmen oft nur erahnen. Das stimmungsvolle Finale wirft im ersten Augenblick mehr Fragen auf, als durch die zahlreichen Wendungen im Schlussdrittel beantwortet werden. Auch dank dieses Hauchs nachhaltiger Unergründlichkeit ist „Dead Birds“ stimmiger Low-Budget-Grusel mit gediegener Atmosphäre und schrulligem Western-Flair. Dabei ist der konventionelle Horror-Verschnitt weder Kult-Anwärter noch zeitloser B-Klassiker, dafür aber zumindest hochwertiger als die meisten anderen ´Direct-to-Video´-Veröffentlichungen der letzten Monate.

Wertung: (6 / 10)

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