Das Gesetz ist der Tod (USA 1988)

Nach „Death Wish 4“ (1987) sehnte sich Charles Bronson nach Rollen, die weniger mit proaktiv ausgeübter Gewalt und Selbstjustiz in Einklang standen. Bei den Cannon-Vorstehern Menahem Golan und Yoram Globus fand er damit Gehör. So entstand 1988 „Das Gesetz ist der Tod“, in dem der seinerzeit 67-jährige Kinostar den renommierten Journalisten Garrett Smith verkörpert, der schrittweise ein Mordkomplott um eine zerstrittene Mormonensippschaft aufdröselt.
Dass Bronson im Laufe der knapp 90 Minuten niemanden umlegt und auch nur ein einziges Mal eine Waffe abfeuert, mag die Stammklientel des vor der Kamera bevorzugt rotsehenden Mimen abschrecken. Ein Mangel an Action ist unter der bewährten Regie von J. Lee Thompson, der hier zum achten Mal mit Bronson zusammenarbeitete (u. a. bei „Ein Mann wie Dynamit“ und besagtem „Death Wish 4“), trotzdem nicht zu beklagen. Der Auftakt der auf einem Roman („The Avenging Angel“) von Rex Burns fußenden Geschichte gerät dabei atmosphärisch düster, wenn ein nicht näher erkennbarer Mann mit Cowboyhut und Schrotflinte die drei Ehefrauen – und sämtliche Kinder – des Mormonen Orville Beecham (Charles Dierkop, „Der Clou“) erschießt.
Durch Polizeichef Barney Doyle (Daniel Benzali, „Mord im Weißen Haus“) erhält Smith Zugang zum Tatort und schreibt einen Artikel über die Bluttat. Doch die Geschichte lässt ihn nicht los und so stellt er weitere Nachforschungen an. Doch das ist angesichts der Außenstehenden gegenüber naturgemäß argwöhnischen Mormonen gar nicht so leicht. Durch Orville erfährt Smith aber von dessen Verdächtigungen gegen seinen eigenen Vater, den sektenähnlichen Prediger Willis (Jeff Corey, „Butch Cassidy und Sundance Kid“) – der die Urheberschaft der Morde aber seinerseits in Richtung des ausgestoßenen Sohnes Zeenas (John Ireland, „Der Mann, der herrschen wollte“) schiebt.
So reist Smith quer durchs rurale Colorado, das in seiner zerklüfteten Naturkulisse spürbar zur Atmosphäre beiträgt, und gerät mit der ihm beistehenden Lokalverlegerin Jastra Watson (Trish Van Devere, „Das Grauen“) mitten in den blutig eskalierenden Familienkonflikt der Beechams. Doch die Colorado Water Company, die an Zeenas Grundstück interessiert ist, weckt in Smith den Verdacht, dass die Gewaltspirale einen wirtschaftlichen Hintergrund haben könnte.
Nun war Charles Bronson in den ausgehenden 1980ern wahrlich nicht der erste, der bei einer solch auf Ermittlung fokussierten Rolle in den Sinn gestiegen wäre. Den harten Kerl darf er aber auch hier zeigen. Zumindest zeitweise. Seine oft provozierende Art der Fragestellung und die finale Handhabung des wahren Killers lassen Smith eher wie einen Polizisten erscheinen – was die Figur in Burns Roman übrigens auch ist. Dass der Thriller in der Beschreibung des religiösen Fanatismus mitunter auf der Stelle tritt, versucht Thompson durch dosierte Action- und Spannungsmomente auszugleichen. Dass bei „Das Gesetz ist der Tod“ aber nur gediegenes Mittelmaß übrigbleibt, unterstreicht auch die am Ende nur allzu abrupte Enttarnung des wahren Strippenziehers.