Das Geisterschloss (USA 1999)

das-geisterschloss„What´s the deal with the ´Addams Family´ mansion?” – Gute Frage Luke

In der Retrospektive war das Remake des visionären Grusel-Klassikers „Bis das Blut gefriert“ zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Wo „The Haunting“, so der Originaltitel des 1963 produzierten Vorläufers, auf die Kraft der Suggestion setzte und die Schrecken eines verfluchten Anwesens lediglich andeutete, setzt die Neuverfilmung auf eine jede Subtilität erstickende Achterbahn computergenerierter Effekte. Die mögen sehenswert gestaltet sein, der experimentelle Reiz eines ursprünglich überragenden Films aber verkommt zum seelenlosen Massenprodukt.

Der frühere Kameramann Jan de Bont hatte mit „Speed“ und „Twister“ seine Qualitäten als Regisseur unter Beweis gestellt. Für die neuerliche Heimsuchung des Hill House-Anwesens standen ihm rund 80 Millionen Dollar zur Verfügung. Die flossen, neben den digitalen Tricks, in die detailversessene Ausstattung und eine Riege etablierter und angehender Stars. Liam Neeson („Schindlers Liste“) bittet als Wissenschaftler Marrow drei Probanden in den prunkvollen Landsitz. Unter dem Vorwand, ihr Schlafverhalten untersuchen zu wollen, hat er es in Wahrheit auf die Erforschung von Angstzuständen abgesehen.

Eleanor (Lili Taylor, „Short Cuts“), genannt Nell, hat sich 11 Jahre um die herrische Mutter gekümmert. Kurz nach deren Ableben erhält die graue Maus einen Anruf und bricht in freudiger Erwartung eines lang ersehnten Abenteuers nach New England auf. Neben Markway trifft sie auf die lebensfrohe Theo (Catherine Zeta-Jones, „Die Maske des Zorro“) und das lässige Großmaul Luke (Owen Wilson, „The Minus Man“). Bald wird sie von geisterhaften Kinderstimmen auf die Spur der grausigen Vergangenheit von Hill House geführt – und deckt bar jeder Nachvollziehbarkeit verwandtschaftliche Bande zum spukenden Hausherren auf.

Dessen Geist weht bis zum Überdruss durch die Mauern und terrorisiert im Kamin verfeuerte Kinderscharen. Die Zurückhaltung von Wises schauerlichem Bravourstück wird durch die zwanghafte Sichtbarmachung der unheimlichen Macht in ein plump auf die Kraft der Effekte setzendes Gegenteil verkehrt. Die Figuren verlieren sich im Raum, nicht in der Enge, was de Bont bei sich regenden Statuen und aller Orten wehenden Vorhängen sichtlich zugute kommt. Das Skript aber holpert immer nur dann vorwärts, wenn Nell von Geisterkindern beflügelt neue Fährten wittert. Schade ist es um Mensch und Material, denn Schauspieler und Ausstattung geben weit mehr her als diese Verunglimpfung eines zeitlosen Klassikers.

Wertung: (4 / 10)

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