Das Geheimnis der Zauberpilze (D 2009)

das-geheimnis-der-zauberpilzeDie unerträgliche Leichtigkeit des Trash.

Wie witzig kann die Vertilgung einer Scheibe Brot sein? Dick vom Laib geschnitten, mit Butter bestrichen und akribisch mit Schokostreuseln übersät. Damit bloß nix daneben geht. Durch zaghafte Fingertipps wird der Belag flächendeckend perfektioniert – und die Stulle anschließend komplett in den Rachen geschoben. Wer schon über solch unverhohlenen Nonsens nicht lachen kann, dem wird die folgende Odyssee durch Wald und Flur vorkommen… naja, wie ein schlechter Film. Ein solcher ist „Das Geheimnis der Zauberpilze“ auch geworden. Genau wie intendiert.

Hinter P.S.Y.C.H.O. Productions stehen Crippler Criss (der cholerische Lange) und Master W. (der hysterische Kurze), die, vor stattlichem Hartalkvorrat auf der Couch sitzend, auch den selbstreflexiven Rahmen auskleiden. Die Rollen ihrer No Budget-Groteske bestücken sie weitgehend selbst und auch Produktion, Drehbuch und Spezialeffekte gehen auf ihre Kappe. Sie sind Amateure, die ihre Projekte mit Unmengen an Herz- und Kunstblut Realität werden lassen. Deutlich wird dies auf der DVD ihres Streifens. Neben der nachvertonten deutschen finden sich auch eine englische Sprachfassung und ein Audiokommentar sowie üppiges Bonusmaterial auf der Scheibe. Und die detaillierten Einblicke in Vorbereitung und Arbeitsweise sind nicht minder unterhaltsam als der Hauptfilm.

Der rankt sich um zwei Slacker, die im Schoß von Mutter Natur dem Alkoholismus frönen. Auf dem Weg grölen sie die IDIOTS nach und verstricken sich in tiefschürfende Dialoge. Im Wald führt schließlich eins zum anderen und plötzlich ist einer der beiden tot. Ein ominöser Zwerg jedoch weiß Rat: Zauberpilze könnten den Freund ins Leben zurückholen. Die Suche nach den Wundergewächsen allerdings erweist sich als echte Bewährungsprobe, birgt der Wald doch eine ganze Reihe skurriler (und bedrohlicher) Gestalten. Die an ihr Auftreten geknüpften Episoden zünden nicht durchweg, machen in der Hauptsache aber einen Heidenspaß. Denn wer hätte schon gedacht, dass Inzucht zu einem Schweizer Akzent führt?

Dazwischen verlagert sich das Geschehen auf die Couch, wo die beiden Initiatoren Unmut äußern oder sich unter donnerndem „Alter!“ in den Haaren liegen. Neben der Verwandlungskunst des Kurzen resultiert der Spaßgehalt vor allem aus dem Auftreten des Langen, der, sobald er seine Stimme im Zorn erhebt, für anhaltende Zwerchfellerschütterung sorgt. Am Ende wird’s dann psychedelisch. Klar, sind ja schließlich Zauberpilze im Spiel. Die anale Vergewaltigung durch einen Riesenpilz mit Maultentakel (was Sam Raimi kann…) rundet das eigenwillige, liebevoll gestaltete und erstaunlich ideenreich inszenierte Amateur-Spektakel ab. Es bedarf schon einer speziellen Geschmacksverirrung. Aber handgemachter Schund war selten sympathischer.

Wertung: (6,5 / 10)

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