Das Ende – Assault on Precinct 13 (USA/F 2005)

das-ende-assault-on-precinct-13Der Schnee der Neujahrsnacht färbt sich blutrot, als korrupte Polizisten einen unliebsamen Geschäftspartner eliminieren wollen. Um ihr Vorhaben Realität werden zu lassen, belagern die Verbrecher in Uniform ein fast verlassenes Präsidium, in dem sich neben der Zielperson auch einige Ordnungshüter und Mitinhaftierte befinden. Den Morgen darauf werden nur die wenigsten der Involvierten erleben. John Carpenters beklemmender Thriller „Assault on Precinct 13“ (1976) – in Deutschland unter dem Titel „Das Ende“ bekannt – ist eine klaustrophobische Allegorie auf den urbanen Humanitätsverlust und gleichsam eine moderne Adaption von Howard Hawkes Western-Klassiker „Rio Bravo“. Jean-François Richets („Brennender Asphalt“) stimmungsvolles Remake ist weniger hintergründig als sein Vorbild und verwandelt Carpenters schweißtreibendes Original in einen packenden Action-Thriller ohne Kompromisse.

Die Handlung wird vom schwülen Sommer in Los Angeles in den kargen Winter von Detroit verlagert, die brutalen Straßengangs weichen verbrecherischen Gesetzeshütern. Die Grundkonstellation des schwarzen Cops und des weißen Schwerverbrechers dreht die Neuverfilmung um. Hier sind es Ethan Hawke („Training Day“) und Laurence Fishburne („Matrix“), die als grundverschiedene Charaktere gemeinsam ums nackte Überleben kämpfen. Die Ursache liefert ein Syndikat korrupter Polizisten, angeführt vom dekorierten Staatsdiener Marcus Duvall (Gabriel Byrne, „End of Days“). Dieser will die Gewinnspanne der Cops aus krummen Geschäften mit dem berüchtigten Gangster Marion Bishop (Fishburne) beträchtlich erhöhen. Als dieser die Forderung ablehnt, soll er sterben.

Doch die Aktion verläuft anders als geplant. Bishop tötet einen von Duvalls Männern und wird festgenommen. Als der Gefangene noch in derselben Nacht abtransportiert werden soll, macht ein heftiger Schneesturm die Überführung unmöglich. Im nahegelegenen Precinct 13, einem abseitigen Bezirkspräsidium in den letzten Stunden vor der endgültigen Schließung, sucht der Transport Schutz vor dem Unwetter. Der diensthabende Offizier Jake Roenick (Hawke), Sekretärin Iris Ferry (Drea de Matteo, „Password: Swordfish“) und der angehende Pensionär Jasper O’Shea (Brian Dennehy, „Rambo“) nehmen den unerwarteten Besuch auf, nicht ahnend, welcher Feuersturm in den Stunden nach Mitternacht über sie hereinbrechen wird. In den Wirren der Belagerung werden Feinde zu Verbündeten, als sich Polizisten und Gefangene gemeinsam der Übermacht zum Kampf stellen.

Jean-François Richets „Assault on Precinct 13“ ist ein angenehm schnörkelloser Thriller und ein bemüht unkonventionelles Remake. Dabei verhält sich seine Interpretation des Carpenter-Skripts zum Vorreiter ähnlich, wie es Zack Snyders Version von „Dawn of the Dead“ zu George A. Romeros Meisterwerk tat. Denn für sich genommen funktioniert der Film als Bindeglied zwischen dem ruppigen, für Experimente zugänglichen Kino der siebziger Jahre und den technischen Möglichkeiten der Gegenwart. Zwar bleibt die Innovation des brillanten Vorbilds in weiten Teilen auf der Strecke, doch bewegt sich Regisseur Richet bei seinem US-Debüt nah genug am Original, um die atmosphärische Geschlossenheit der Geschichte nicht an einem effektüberfrachteten Action-Overkill abzunutzen.

Obwohl massive Feuerkraft die Plausibilität des Plots oftmals überrumpelt, bürgen die guten Akteure für Action mit Niveau. Ethan Hawke knüpft nahtlos an seine Oscar-nominierte Leistung aus „Training Day“ an, Laurence Fishburne füllt die dunkle Seite des Morpheus mit berechnender Gefühlskälte und Gabriel Byrne gibt den Schurken routiniert, wenn auch ohne Glanz. In den Wirren des Kleinkrieges chargieren des weiteren Maria Bello („The Cooler“), John Leguizamo („Land of the Dead“) und Jeffrey ´Ja Rule´ Atkins („Halbtot“). Mit „Assault on Precinct 13“ hat ein weiterer schroffer Klassiker der New Hollywood-Ära den Sprung ins neue Jahrtausend vollzogen. Dass technisierte Kinotrends das einstige Low-Budget-Juwel nicht verschlingen, liegt an der Tonalität der düsteren Inszenierung. Die Dominanz grauer Farbtöne unterstreicht die frostige Stimmung des bleihaltigen Spektakels. Gewalt steht dabei nicht im Vordergrund und ist doch fester Bestandteil des gesamten Konzeptes. Allein in dieser Hinsicht liegen Original und Remake nicht allzu weit voneinander entfernt.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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