Cutting Class – Todesparty II (USA 1989)

Auch Hollywoodstars haben klein angefangen. Nicht wenige von ihnen in Horrorfilmen. So sprang beispielsweise Johnny Depp in „Nightmare on Elm Street“ (1984) über die Klingenhand, wurde Kevin Bacon in „Freitag der 13.“ (1980) gemeuchelt oder erwehrte sich Jennifer Aniston kreischend dem „Leprechaun“ (1993) . Ihr Ex-Gatte Brad Pitt feierte sein Debüt ebenfalls in einem Slasher-Streifen, dem 1989 mit wenig Geld fabrizierten „Cutting Class“, der in Deutschland unter dem Titel „Todesparty II“ in den Videotheken versumpfte.

Pitt bekleidet darin die (tragende) Rolle des Schulrüpels Dwight, der obendrein mit der hübschen Streberin Paula (Jill Schoelen, „Stepfather“) anbandelt. Deren Vater (Martin Mull, „Roseanne“) ereilt beim Jagdausflug ein schmerzhaftes Malheur, als ihm ein Unbekannter einen Pfeil in den Wanst schießt. Damit nicht genug, treibt der Täter bald auch in den Schulfluren sein Unwesen. Steckt etwa der frisch aus der Klapse entlassene Brian (Donovan Leitch, „Der Blob“) – dessen tiefenpsychologisches Profil sich mit Anstaltswochenplan natürlich im Archiv der Penne findet – hinter den Bluttaten?

Das liegt nahe. Weil es aber zu einfach wäre, dem als geheilt gestempelten Psychopathen gleich zu Beginn wieder die Axt zu reichen, macht sich auch der rebellische Dwight verdächtig. Oder ist gar der Hausmeister, eine krause und bedrohlich mit dem Wischmob winkende Mixtur aus Kriegs-Veteran und Straßenpenner, der Schuldige? Mitnichten, denn die einzige Regiearbeit von „Excalibur“-Autor Rospo Pallenberg streut seine Hinweise derart schludrig, dass der Mörder bereits fahrlässig früh auszumachen ist.

Aber was heißt hier fahrlässig? Als Slasher ist „Cutting Class“ nicht mal von der Stange, ehe aus der Resteverwertung. Das zeigt auch „Planet der Affen“-Rudiment Roddy McDowell, der sich als lechzender Schuldirex immerhin mit Wonne durch Szenen chargiert, die eigentlich keinerlei Anstrengung erfordern. Die Jungdarsteller aber unterbieten in ihrer bodenlosen Übertreibung noch jede Telenovela. Und weil es von ihnen in der Handlung viel zu wenige gibt, werden eben die allesamt diktatorisch angehauchten Pädagogen gemeuchelt.

Die Axt im Haus erspart denn auch hier den Nachhilfelehrer, wobei sie im Kopf des Mathepaukers so offensichtlich aus Gummi ist, dass selbst bei den paar unsinnigen Gore-Effekten kein Land in Sicht kommt. Am Ende darf dann noch mal geflüchtet und geschrien werden, bis in der Werkstatt der Hammer kreist. Der landet dann im Schädel des „Erst schon, dann wieder nicht und schließlich doch“-Verdächtigen und die Schoelen darf die Zähne wieder fürs Reklame-Grinsen aufpolieren. Da hilft auch keine Elektroschocktherapie mehr. Oder die immerhin bewusst eingebrachte Absurdität. Nachsitzen, sechs.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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