Cube Zero (CAN 2004)

cube-zeroVincenzo Natalis Low-Budget-Schocker „Cube“ von 1997 zählt zum Innovativsten, was das Genre des fantastischen Films in Jahren hervorgebracht hat. Von Andrzej Sekulas fünf Jahre später realisierter Fortsetzung „Hypercube“, mehr Remake denn Sequel, kann dies nicht behauptet werden. Einzige Neuerung stellte dabei der flüchtige Blick hinter die Kulissen des todbringenden Würfellabyrinths ins Auge eines totalitären Staatssystems dar. Mit „Cube Zero“, zeitlich vor Natalis Original angesiedelt, folgt nun ein weiterer Schritt Richtung Entmystifizierung des bravourösen Geniestreichs, geht das Regiedebüt von „American Psycho“-Produzent Ernie Barbarash doch noch einen Schritt weiter und rückt einige der Menschen an den Schalteinheiten des Würfels in den Mittelpunkt des Handlungsgefüges.

Tief unter der Erde verrichten ahnungslose Arbeiter ihren Dienst in einem riesigen Forschungskomplex. Ihre Aufgabe ist es, die Probanden eines streng geheimen wissenschaftlichen Projektes zu überwachen. Einer dieser Arbeiter ist der junge Programmierer Eric Wynn (Zachary Bennett, „Guest Room“), der zusammen mit seinem Vorgesetzten Dodd (David Huband, „Wrong Turn“) in einem abgeschotteten Raum Knöpfe drückt, Monitore observiert oder Zeit mit Zeichnen und Schachduellen totschlägt. Von oberster Stelle wird ihnen erklärt, dass nur zum Tode Verurteilte Häftlinge nach ihrer schriftlichen Einwilligung als Testpersonen ausgewählt werden. Den Laborbereich bildet ein Konstrukt gleichgroßer Räume, ein Geflecht beweglicher Würfel. In manchen der kubischen Metallräume lauern hinterhältige Fallen, die ihre Opfer auf grausame Art zu Tode bringen. Als die Politaktivistin Cassandra Rains (Stephanie Moore, „Bugs“) unschuldig im Cube landet, beginnt Eric am Sinn seiner Tätigkeit zu zweifeln. Während die eingeschlossene Gruppe Cassandras im Innern des technisierten Labyrinths um ihr Leben kämpft, wagt Würfelkenner Wynn schließlich den Einstieg in das System, um ihr zu Hilfe zu eilen.

„Cube Zero“ verlagert den Angelpunkt der Geschichte aus dem Würfel hinaus in die nicht minder abgeschottete Welt der bedienenden Personen dahinter. Atmosphärisch und Interesse weckend, schafft Autor und Regisseur Ernie Barbarash einen gelungenen Kontrast zwischen übermächtiger Technisierung des Kubus und kafkaesker Schaltzentrale nebst altmodischer Stechuhr. Dieser wohl ausgestattete Perspektivengewinn ermöglicht Barbarash eine spannende Ausgangssituation, nicht zuletzt weil viele Fragen rund um den Cube und seine Eigner auch weiterhin unbeantwortet bleiben. Die Kameraarbeit überzeugt ebenso wie die blutigen, in Anbetracht des schmalen Budgets passabel umgesetzten Effekte. Nur bleibt das darstellerische Vermögen der Akteure ebenso begrenzt wie der letztlich wolkenverhangene Ideenhorizont.

Bedauerlicherweise kippt der solide Streifen in der zweiten Hälfte zusehends ins Absurde, was in der Hauptsache dem im mittleren Befugnisbereich anzusiedelnden Despoten zum Vorwurf zu machen ist, der das plötzliche Eingreifen des abtrünnigen Eric mit entstellter Mine und ohne Gnade unterbinden soll. Ein Blick in die Würfelinterne Chefetage wäre sicherlich vielversprechender gewesen – doch würde es verwundern, wenn nicht schon neue Drehbuchentwürfe zum Thema Spalier stünden, um auch diese Reihe fachmännisch der endgültigen Nichtigkeit aussetzen. Neben bekannten Elementen – wie der bewährten Stiefeltechnik zur Aufspürung von Fallen oder dem wiederholt schwarzen Finsterling in den Reihen der Versuchsgruppe – bleiben frische Ideen im Würfelinterieur rar gesät. Zu bekannt wirkt der Ablauf, zu beschränkt der Agitationsspielraum der Eingeschlossenen. „Cube Zero“ ist trotz des gelungenen finalen Brückenschlags zum Original weit von dessen Qualitäten entfernt. Immerhin besser als der verschenkte „Hypercube“, sollten es die Macher besser bei der vorliegenden Trilogie belassen. Denn noch mehr unnötige Weitersinnierung hat Vincenzo Natalis „Cube“ wahrlich nicht verdient.

Wertung: (5 / 10)

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