Cube 2: Hypercube (CAN 2002)

cube-2-hypercubeVincenzo Natalis gefeierte Low-Budget-Dystopie „Cube” aus dem Jahre 1997 genießt völlig zu Recht Klassiker-Status. Die atmosphärisch dichte und klug verschachtelte Geschichte um sechs Menschen, die ein mit tödlichen Fallen gespicktes Konstrukt aus unzähligen Würfelförmigen Kammern überwinden müssen, bot dabei nicht nur ein vollkommen offenes und diskussionsfreudiges Finale, sondern auch ausreichenden Nährboden für eine mögliche Fortsetzung. Eben diese, als Verleihpremiere nun auch hierzulande erhältlich, besorgte Regiedebütant Andrzej Sekula, einstiger Kameramann  für Quentin Tarantino („Pulp Fiction“).

Im Mittelpunkt steht erneut eine Gruppe unterschiedlicher Charaktere, die weder miteinander bekannt sind, noch Erinnerungen an den offensichtlich vorangegangenen Entführungsprozess aufbringen. Schnell jedoch zeigt sich, dass bei der Bewältigung des unheimlichen kubischen Labyrinths Eile geboten ist. Denn der vierdimensionale Hypercube birgt neben einer Vielzahl versteckter todbringender Mechanismen auch eine nicht minder gefährliche Temporalelastizität, die nach der Ausreizung eines gewissen Zeitraumes in die Implosion des Konstruktes gipfelt.

Über Sinn und Zweck des scheinbar zwanghaften Fortführungswahnes zu diskutieren, erübrigt sich auch im Angesicht dieses bestenfalls lauwarmen Aufgusses. Denn „Cube 2 : Hypercube” köchelt im Grunde seines durchaus ambitionierten Bestrebens nur auf Sparflamme im Windschatten des innovativen Originales und vermag die Klasse des durchdachten Erstlings nicht einmal im Ansatz zu erreichen. Stattdessen werden sowohl das Prinzip als auch die Handlungsstruktur aufgegriffen und auf dieser Basis lediglich als bereits bekanntes Spektrum inhaltlicher Begebenheiten und charakterlicher Wendungen abgespult. Dieser Ideenlosigkeit bleibt denn auch geschuldet, dass der Betrachter den am Bildschirm ablaufenden Geschehnissen bereits frühzeitig überdrüssig gegenübersteht und sich bei fortschreitender Lauflänge mit manch langatmig anmutendem Engpass konfrontiert sieht.

Zudem prägen auch die eher mageren Computereffekte und die überwiegend zwischen Belanglosigkeit und Solidität tendierenden darstellerischen Leistungen der weitgehend unbekannten Akteure den unbefriedigenden Gesamteindruck des übertechnisierten Hypercubes. Das Skript von Sean Hood („Halloween – Ressurrection”), Ernie Barbarash und Lauren McLaughton („Prisoner of Love”) entblößt schlicht zu früh konspirative Machenschaften einer militärischen Vereinigung und nimmt das ohnehin absehbare Finale in diesem Atemzug gleich vorweg. Aber selbst von diesem Umstand abgesehen rangiert der Spannungsbogen nicht gerade in beklemmenden Sphären.

Alles in allem betrachtet ist Andrzej Sekulas Regiedebüt nicht wirklich schlecht, aber an der Wurzel seines Schaffens aufgegriffen doch grundlegend indiskutabel. Bleibt also nur zu hoffen, dass kein dritter Teil seinen Weg in unsere Welt finden wird, denn die ist auch ohne eine weitere die Menschenrechte beschneidende Sci-Fi-Utopie schon verwirrt genug.

Wertung: (4 / 10)

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