Cry_Wolf (USA 2005)

cry-wolfDie besten Tage des Teen-Horrors sind nun schon einige Jahre vorbei. Nachdem Wes Craven Mitte der Neunziger eine wahre Lawine von Filmen losgetreten hatte, in denen Legionen von 18- bis 23-jährigen über den Jordan geschickt wurden, ist die blutrote Flut in den letzten Jahren deutlich abgeflaut. Und angesichts so fragwürdiger Werke wie „Scream 3“ war das für das Publikum vielleicht nicht das schlechteste. Mit „Cry_Wolf“ kommt jetzt eine neue Variante des fröhlichen Schlachtens unter beinahe Minderjährigen in die deutschen Kinos, das Erstlingswerk von Regisseur Jeff Wadlow. Und ohne die Metapher zu sehr strapazieren zu wollen, frisches Blut hat noch niemandem geschadet – auch dem Teen-Slasher-Genre nicht.

An einer Privatschule in Virgina langweilt sich eine Gruppe von Jugendlichen. Um ihr Leben ein wenig interessanter zu machen, treffen sie sich regelmäßig und spielen ein Spiel, bei dem es hauptsächlich darum geht, sich gegenseitig möglichst effektiv zu belügen. Doch bald langweilt die Söhne und Töchter reicher Eltern (darunter Jared Padalecki, „Supernatural”) auch das. Da kommt es sehr gelegen, dass in einem Wald nahe der Schule ein Mädchen aus dem Ort erschossen wird. Die Schüler Owen (Julian Morris, „Whirlygirl“) und Dodger (Lindy Booth, „Dawn of the Dead“) nutzen diese Chance und weiten das Spiel auf die ganze Schule aus. Via Email verbreiten sie die Geschichte von einem Serienkiller, genannt „Wolf“, der schon an verschiedenen Schulen die Zahl der Pennäler dezimiert haben soll. Die Geschichte verbreitet sich äußerst erfolgreich. Der Spaß nimmt jedoch ein jähes Ende, als jemand, der sich „Wolf“ nennt, Owen und seine Freunde bedroht.

Die Geschichte ist sicherlich nicht neu. Schon die „Düstere Legenden“-Reihe führte den Zuschauer an Bildungseinrichtungen, wo ein maskierter Mörder sein Unwesen trieb. „Cry_Wolf“ ist dennoch eine andere Art Film. Der Blutgehalt ist deutlich niedriger als in den meisten vergleichbaren Werken der Jugendlichenhatz. Weniger durch Gore-Effekte, als mehr durch Verwirrung entsteht die angespannte Atmosphäre in diesem Streifen. Denn spannend ist „Cry_Wolf“ durchaus. Das Spiel zwischen Wahrheit und Lüge funktioniert in den meisten Passagen des Films sehr harmonisch. Allerdings finden sich auch Längen, die dem ambitionierten, aber nicht 100% ausgereiften Drehbuch geschuldet sind und vor allem von den Darstellern nicht gut genug ausgeglichen werden. Julian Morris ist nicht unbedingt schlecht, Lindy Booth sogar ganz gut in ihrer Rolle aufgehoben, aber eine Reihe von Nebendarstellern, allen voran Jon Bon Jovi („Moonlight & Valentino“), der mit viel Mühe einen Lehrer mimt, wirken äußerst hölzern.

Einiges was so über die Zeit an Potential verspielt wird, holt der äußerst sympathische Showdown allerdings wieder herein. Wiederum spart sich Regisseur Jeff Wadlow hier den exzessiven Einsatz von Kunstblut und setzt auf das Prinzip Verwirrung. Der Anflug von Suspense in einem Teen-Horrorfilm ist eine äußerst angenehme Überraschung für das auf stereotype Schlachterei konditionierte Publikum. „Cry_Wolf“ ist sicher kein Meilenstein der Filmgeschichte und wird auch den Horrorfilm nicht revolutionieren. Aber ein durchaus ansehnlicher Streifen ist Jeff Wadlow gelungen, der ausgetretene Genrepfade für angenehme 90 Minuten verlässt.

Wertung: (6 / 10)

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