Crows 0 (J 2007)

crows0Miikes prügelnde Teenager: In der Manga-Verfilmung „Crows 0“ entfesselt der japanische Kult-Regisseur („Ichi the Killer“) einen brutalen Schulhof-Krieg. In der Suzuran High School wird die Penne als Lehranstalt von einer Quasi-Kampfarena abgelöst, in der die Befehlsgewalt über die Schülerschaft ausgefochten wird. Die Vormachtstellung hält Serizawa (Takayuki Yamada, „Train Man“), der sich plötzlich mit einem erbitterten Rivalen konfrontiert sieht. Der neue Schüler Genji (Shun Oguri, „Azumi“), Spross eines Yakuza-Führers, nämlich will sich als des Vaters Erbe würdig erweisen und die Suzuran unterwerfen.

Die Verwehrung einer Jugendfreigabe bringt die pubertäre Anarcho-Vision um ihr Zielpublikum. Der etwas andere Teenie-Film zeigt die Problemkomplexe des Heranwachsens aus einer archaischen Perspektive und nimmt das „sich Durchboxen“, die Suche nach der eigenen Identität, nur allzu wörtlich. Den Wert eines Mannes bestimmt die Faust, heißt es in dieser bizarren Parallelwelt, in der schulischer Unterricht durch Bandenbildung, Paktierung und natürlich Schlägereien ersetzt wird. Rebellion wird zur Tugend, Gewalt zur persönlichkeitsbildenden Dominante.

Durchbrochen wird die Krassheit von Humor. Takashi Miike reduziert die Fallhöhe seines Films mit Mitteln der Komik und übermenschlichen Andeutungen; nicht immer erfolgreich und erst recht nicht ausgewogen. Dem Mix aus Action und Drama, in dem weibliche Figuren bestenfalls am Rande eine Rolle spielen, wirkt uneinheitlich, in der Erzählung dazu noch arg gedehnt. Visuell hingegen überzeugt „Crows 0“ als streng durchchoreographierter Rausch aus wuchtigen Faustkämpfen, präzisem Mienen- und dramatisiertem Ränkespiel. Den eher nüchternen Look stützen die oft tristen urbanen Handlungsorte.

Der Weg zur finalen Keilerei gerät Miike ungewohnt zahm. Der einstige Skandalfilmer verzichtet auf verstörende Untertöne und spart auch rabiate Blutbäder aus. Dafür bauscht er das konventionelle Gang-Drama zum Epos auf – und traf damit den Geschmack eines jungen japanischen Publikums. Die Comic-Adaption wurde sein bislang größter finanzieller Erfolg, eine Fortsetzung dieses durchaus sehenswerten, jedoch etwas langatmig geratenen (Schul-)Klassenkampfes ließ nicht lange auf sich warten. Die letzte Schlacht jedenfalls ist noch lange nicht geschlagen.

Wertung: (6 / 10)

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