Crime in Stereo – The Troubled Stateside (2006, Nitro Records)

crimeinstereostatesideBeizeiten fällt es schwer die richtigen Worte zu finden. Erst Recht den passenden Einstieg. Es gibt Platten, die gehen dem Schreiber am subjektiv polierten Arsch vorbei. Dann aber gibt es wiederum solche, die zur schieren Herzensangelegenheit und gar einem festen Bestandteil des Lebens werden. Ohne sie würde etwas fehlen, ein inneres Loch entstehen, dessen man sich nicht einmal bewusst war, bis genau dies oder jenes Album erstmals für individuelles Aufsehen gesorgt hat. Für den Verfasser dieser Zeilen ist ein solches Musikwerk „The Troubled Stateside“, die zweite Scheibe von CRIME IN STEREO.

Die Band aus Long Island hatte mit „Explosives and the Will to Use Them“ 2004 ein Debüt vorgelegt, das im besten Sinne den Posi-Core kopierte. Als Bonbon aber beugte das Quartett den melodischen Hardcore mal in Richtung Punk oder näherte ihn gleich dem Post-Hardcore an. Führte das bereits beim Erstling, mehr noch der folgenden „The Contract“-EP, für die ein oder andere ehrfürchtig gehobene Augenbraue, waren beim 2006 vorgelegten Nachfolger Begeisterungsstürme vorprogrammiert. All das, was Langspieler eins ansprechend und groß gemacht hatte, wurde auseinandergenommen, aufpoliert und mit begeisternder Frische neu zusammengesetzt.

Alles wirkt runder, klarer und dennoch nicht einen Deut minder angepisst. Allein der prophetische Auftakt „Everything Changes / Nothing is Ever Truly Lost“ legt ein schwindelerregendes Tempo vor und zeigt Frontmann Kristian Hallbert von seiner besten Seite. Das folgende „Bicycles for Afghanistan“ führt eindrucksvoll die Veränderung des Sounds vor Augen: In noch immer respektablem Tempo und mit stattlichem Härtegrad treffen ausgefeilte Gitarrenläufe auf grandiose Refrains. Das ist Indie-Punk von seiner besten Seite und erinnert bisweilen deutlich stärker an SMALL BROWN BIKE als LIFETIME. Dass der Hardcore dennoch nicht zu kurz kommt, dafür sorgen Nummern wie „I’m on the Guestlist Motherfucker“ oder „For Exes“.

Beeindruckend ist das brillant ausgekostete Umschalten von grober Kelle auf melancholische Stimmungsintensivierung. Einen absoluten Höhepunkt steuert die Platte mit „Sudan“ und dem anschließenden „Abre Los Ojos“ an, die nicht nur für die textliche Erhabenheit der Band stehen, sondern auch in Sachen (mehrstimmigem) Gesang und Gitarrenarbeit Höchstnoten verdienen. Wer auf diese Art von Musik steht und dabei keinen Anflug von Gänsehaut verspürt, sollte dringend seinen Puls checken! Selbst gedrosselte Titel wie „Gravity/Grace“ bescheren der Sonderklasse keinen Abbruch, die „The Troubled Stateside“ zu einem schieren Freudenfest macht. Und das – zumindest für den Autor dieser Zeilen – immer und immer wieder.

Wertung: (9 / 10)

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